22. April 2011

TV-Tipps: Woche vom 23.04. - 28.04.

Samstag, 23.04.
Knockin‘ On Heaven‘s Door (20.15 Uhr / Kabel 1)
Für hiesige Verhältnisse erstaunlich prominent besetzt und ansehnlich geschnitten, vermeidet das Roadmovie um seine beiden Schicksalsgenossen jene pathetische Tränendrüse-Kalkulation, die den Hollywood-Aufguss des Stoffes in THE BUCKET LIST Jahre später so unerträglich machte. Nett.

Die Passion Christi (22.05 Uhr / Kabel 1)
Selbst Fanatikern müsste auffallen, dass die bloße Fixierung auf Leiden und Schmerz ohne die anschließende Darstellung von Vergebung und Erlösung in Hinsicht auf die biblische Botschaft als unzureichend erscheinen muss. Für den großen Rest ist das allerdings sowieso nur bräsig-peinlicher Splatter unter dem Deckmantel der Historizität und mit haufenweise antisemitischen Zwischentönen.

The Spirit (22.15 Uhr / Pro 7)
Millers schwachmatischer Versuch, den Erfolg von SIN CITY im Alleingang zu wiederholen, und dafür einen Klassiker der Comicliteratur mit allerhand zweitklassiger Hampelmänner vollzustopfen. Dass der Film schlecht wird, stand eigentlich von jeher außer Frage, entsetzt war ich bei der Sichtung dann vor allem über die Tatsache, dass das alles auch noch schwer langweilig ist. Höhepunkt des schlechten Geschmacks: Der als Onkel Tom verkleidete Samuel L. Jackson und Scarlett Johansson als SS-Domina.

Beverly Hills Cop - Ich lös‘ den Fall auf jeden Fall (22.20 Uhr / Sat 1)
Einer dieser ganz ganz furchtbaren Filme, die Eddie Murphy als Hauptdarsteller ihr Eigen nennen. Geht überhaupt nicht.

Solange es Menschen gibt (01.00 Uhr / BR)
Ohne Worte. Sirks Meisterwerk!

Der Pate II (01.45 Uhr / Kabel 1)
Nahezu vollständig befreit von den Konventionen modernen Kinos zelebriert Francis Ford Coppola zum zweiten Mal den einst von Mario Puzo erdachten Werdegang des Michael Corleone, den er mittlerweile zur komplexen Biographie und zum Sittengemälde mehrerer Epochen erweitert hat. Meisterwerk #2.

Sonntag, 24.04.
Kiss me, Kate...- Berlin 2008 (19.30 Uhr / ZDFtheater)
Ich kenne die Live-Aufzeichnung, die hier gegeben wird, nicht, aber der Film und die Musik sind toll, wird dementsprechend auf jeden Fall einmal vorgemerkt.

James Bond: Ein Quantum Trost (20.15 Uhr / RTL)
Lose Fortführung des Vorgängers, dieses Mal noch mehr um einen realistischen, sprich: langatmigeren Hintergrund bemüht. Craig ist als Bond nach wie vor furchtbar, die wenigen gelungenen Ansätze des ersten Reboot-Films wurden komplett vergessen, stattdessen gibt es noch mehr Bourne auf Baldrian. Schlimm.

Walk the Line (20.15 Uhr / RTL II)
Ungeschöntes, fast schon zu pessimistisch gezeichnetes Biopic über die Countrylegende schlechthin, das vor allem wegen seines hervorragenden Casts und dem gelungenen Soundtrack zu überzeugen weiß. Als sich aus dem Kino kam, hab ich jedenfalls sofort eine Cash-Platte gekauft - ich denke, dass ist ein gutes Zeichen (zu Beruhigung: es ist bis dato die einzige geblieben...).

Wanted (22.15 Uhr / RTL)
Unbequemer, wenn nicht gar faschistoider Subtext, formal jedoch ein wirklich beeindruckendes Feuerwerk aus kreativen Ideen und gut geschnittenen Actionsequenzen. Wahrscheinlich noch vor SHOOT EM UP das Paradebeispiel eines auf Leinwand gebannten Computerspiels. Abfeiern nein, anschauen ja.

Underworld III: Aufstand der Lykaner (01.35 Uhr / Pro 7)
Kann nur für die ersten beiden Teile sprechen, aber die waren maximal um Style bemühtes Genrekino mit Zielgruppenanpassung in Richtung „Beckinsale + Latex = Gut“ und gruselig-schlechten CGI-Effekten. Beckinsale ist hier übrigens nicht mehr mit von der Partie...

Der Pate III (01.50 Uhr / Kabel 1)
Schon lange nicht mehr gesehen, aus Angst davor, mir den Gesamteindruck der Saga unnötig zu vermiesen. So schlimm wie alle behaupten, habe ich ihn damals jedoch nicht empfunden, auch wenn es in der Tat begrüßenswert ist, dass es Papa Coppola mittlerweile gelungen ist, seinem Töchterchen einen Platz HINTER der Kamera zu verschaffen.

Montag, 25.04.
Sister Act 2 - In göttlicher Mission (20.15 Uhr / Sat 1)
Dicke Nonnen, die Gospel singen. Ist so schrecklich, wie es sich anhört - und dabei war der erste Teil gar nicht mal so verkehrt.

Evan Allmächtig (20.15 Uhr / RTL)
Um absolut jeden (!) Witz befreites Spin-Off des ähnlich doofen BRUCE ALMIGHTY, nur das hier nicht mehr Jim Carrey für Kopfschütteln sorgen darf, sondern ein bootbauender Steve Carell. Wer den Schluss noch wachenden Auges erlebt, wird zu guter Letzt auch noch mit einer brav-blöden Ökobotschaft traktiert.

Zodiac - Die Spur des Killers (22.00 Uhr / RTL)
Zurückgenommene, ungemein atmosphärische Momentaufnahme einer Stadt in Angst, die mehr Gefallen an historischer Detailarbeit, denn an den Konventionen des Thrillers findet. Der vielleicht reifste Film, der über das Phänomen „Serienmörder“ jemals gedreht wurde, und Finchers hauseigener Noir-Hommage SE7EN weit überlegen.

Interview mit einem Vampir (22.10 Uhr / VOX)
Bisweilen etwas schwülstiges und dramaturgisch durchhängendes Vampirdrama, das seine Fehler durch bombastische Ausstattung, einen sensationellen Cast und unaufgeregte Melancholie aber größtenteils wieder ausbügeln kann. Bis zum noch tolleren SO FINSTER DIE NACHT die Nummer Eins unter den Blutsauger-Filmen für Erwachsene.
 
Deep Blue Sea (22.25 Uhr / Kabel 1)
Genrekino at its best. Ausreichend budgetierte und dementsprechend hübsch anzusehende Neuauflage des uralten Märchens vom mad scientist, der von seiner eigenen Schöpfung eingeholt wird. Ein Film, der auf charmante Art schlecht ist, sich zu keiner Sekunde ernst nimmt, und gerade deshalb mehr Spaß macht, als all die verkrampften Trash-Versuche der jüngeren Kinogeschichte. Kennt mittlerweile sowieso jeder, ansonsten: Anschauen!

Dienstag, 26.04.
Conan der Barbar (20.15 Uhr / Tele5)
Aus heutiger Perspektive alleine wegen seiner ungeschickten Inszenierung wohl eher Etwas zum belächeln, trotzdem in seinem faschistoid-misogynen Gestus immer noch bedenklich und ärgerlich. Das 300 der heutigen Ü40-Generation.

Solaris (02.40 Uhr / RTL 2)
Schnarchlangweiliges und mit größtmöglicher Überflüssigkeit versehenes Remake des auch nicht gerade aufregenden, gleichnamigen Tarkovsky-Films. (Pseudo-)Philosophisch angehauchte Weltraum-Meditationen und ich stehen sowieso auf Kriegsfuss miteinander.

Mittwoch, 27.04.
Der Untergang (22.45 Uhr / RBB)
Verklemmte bis verlogene Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, die ungehemmt ihrem ostentativ ausgestellten Hang zur Inszenierung des GröFaZ als Privatmenschen frönt, und trotz aller Staffage nur den Charme eines unter der Leitung von Guido Knopp entstandenen Einspielfilmchens aufweist.

Good bye, Lenin! (23.35 Uhr / MDR)

Blöder Verharmlosungskitsch #2: Die DDR in der Daniel Brühl rumstromern und seine Narrenposse aufziehen darf, ist zwar als Staat schon ein bisschen böse, stört sie doch ab und an den trauten Familienschwank mit Knüppeln, aber beherbergt innerhalb ihrer Stacheldrahrgrenze doch auch echte Menschlichkeit, tollen Zusammenhalt und Spreewaldgurken.

Donnerstag, 28.04.
In 80 Tagen um die Welt (20.15 Uhr / VOX)
Update des Vernes-Klassikers für die heutige Generation. Nichts zwingendes, aber halbwegs unterhaltsam ist dieser kunterbunte Reigen aus kunterbunten Attraktionen schon - nur der unsäglich nervige Jackie Chan stört.

Freitag, 29.04.
Robots (20.15 Uhr / SuperRTL)
Blechern-blöde Aneinanderreihung von Animationsfilm-Klischees, denen hier sogar der sonst typische Niedlichkeitsfaktor bei den Figuren abgeht. Schlimm außerdem die vollkommen missratene Synchro und Sarah Connors Titelsong. Bäh.

Die fetten Jahre sind vorbei (22.25 Uhr / EinsFestival)
Vollkommen unglaubwürdig durchkonstruiertes Kino aus deutschen Landen, welches sich in seiner postpubertären Revoluzzer-Attitüde selbst so gefällt, dass es gar nicht merkt, wie lächerlich das Ganze doch eigentlich wirkt.

The Host (23.45 Uhr / Pro 7)
Unausgegorener, aber nichtsdestotrotz ambitionierter Versuch, das klassische Creature-Feature an die politischen Strömungen im Horrorgenre heranzuführen. Der Film ist zu lang und letztlich auch ohne sonderliche Homogenität inszeniert, aber wer mit Tierhorror und/oder Asia-Kino etwas anfangen kann, sollte einen Blick riskieren.


Kommentare:

  1. @Kiss me, Kate

    Ich habe die Aufzeichnung mal auf 3sat gesehen. Unbedingt anschauen! Sie, nicht der dämlich-verklemmte, altmodische Film "De-Lovely" (2004) von Irwin Winkler, ist es, die Cole Porter gerecht wird: Herrlich dekadent, umwerfend schwul - einfach eine riesige Gaudi, die vergessen lässt, dass die Songs auf Deutsch vorgetragen werden. - Ich wäre mit von der Partie, wenn man hier diesen Sch****-Theaterkanal empfangen könnte.

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  2. Aufnahme ist programmiert, ich warte gespannt - auch wenn ich angesichts der deutschen Texte (DAS Verbrechen schlechthin in Musicals) nach wie vor skeptisch bin. Aber mal sehen :)

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  3. Wird sind uns schon wieder einig:-) Craig geht gar nicht! Dann sollen sie ihn doch irgendeinen beliebigen Actionfuzzis spielen lassen, aber nicht Bond, James Bond.

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