17. Juni 2011

TV-Tipps: Woche vom 18.06. - 24.06.


Samstag, 18.06.
Shakespeare In Love (20.15 Uhr / RTL II)
In seiner Prämisse den Love-Plot aller Love-Plots nicht unnötig zu chiffrieren oder modernisieren, sondern ganz direkt mit Shakespeare und seiner Epoche zu verknüpfen, ein ehrlicher, und erstaunlicherweise auch durchaus netter RomCom-Versuch, der nur manchmal unter etwas Drehbuch-Leerlauf zu leiden hat.

Chihiros Reise ins Zauberland (20.15 Uhr / SuperRTL)
Es soll ja Leute geben, die an diesen Filmen durchaus ihre Freude haben; mich tangiert dieses Fantasy-Gedöns in Fernost-Optik allerdings nur sehr peripher.

12 Monkeys (23.40 Uhr / RTL)
Sicher irre intelligent und künstlerisch wertvoll, hat mich aber -wie nahezu alles von Gilliam- irgendwann nur noch ebenso ratlos, wie auch genervt zurückgelassen. Ich müsste den sicher noch einmal sehen; wirklich Lust darauf hab‘ ich jedoch nicht...

Wir waren Helden (0.20 Uhr / MDR)

Tragisch einzig, dass Dummbatz Gibson das wahrscheinlich wirklich glaubt.

Sonntag, 19.06.
8 Blickwinkel (20.15 Uhr / Pro7)
Leidlich unterhaltsame Verarbeitungsphantasie, die letztlich vor allem daran krankt, dass ihre ausufernden Perspektivwechsel als niemals wirklich notwendig erscheinen. Im Vergleich mit Scotts Rohrkrepierer DEJA VU und dem jüngeren SOURCE CODE wahrscheinlich trotzdem noch die beste „Murmeltier goes Terror“-Variante - was zugegebenermaßen aber auch nicht allzu viel bedeutet.

Kill Bill - Volume 1 (22.05 Uhr / Pro7)
Der Film funktioniert für mich eigentlich nur deshalb, weil Tarantino so übersteuert die eigenen Fetische zelebriert, die zitierten Ursprungsstoffe demaskiert und aus diesem Grund fernab seines actionversessenen Unterhaltungsanspruches eine (höchstwahrscheinlich?!) unfreiwillige Satire auf sein eigenes Schaffen abliefert. So schön das alles inszeniert sein mag; letztlich hatte ich nach dem Double-Feature alle Hoffnung verloren, dass Quentin jemals über seinen postmodernen Horizont hinausblicken wird.

Gefährliche Liebschaften (23.30 Uhr / ARD)
Ähnlich wie seine Darsteller ertrinkt auch der Film selbst in einer schwülstigen Ausstattungsorgie, die in ihrer Opulenz zwar die Erwartungshaltung an ein intrigantes Hofleben des Adels bedient, aber auch mehr als einmal die Faszination seiner amoralischen Geschichte zu verwässern droht. Es ist eine Literaturverfilmung, im Korsett eines Kostümfilms, aber niemals jenes Sittengemälde oder Erzählkino, dass es potentiell sein könnte.

Montag, 20.06.
Goodfellas (23.45 Uhr / HR)
Wird ob seiner Brutalität zwar des Öfteren als realistischere Transformation des Puzo-Kosmos' in die Gegenwart angesehen; ist letztendlich aber nur eine ebenso verklärte, wie auch verklärende Unterwelt-Chose, die -Scorsese sei Dank- zwar formal im ordentlichen Gewand daherkommt; den Zuschauer aber auch seltsam unbeteiligt an Geschehen und Figuren zurücklässt.

Dienstag, 21.06.
Tommy (14.45 Uhr / Arte)
Überdrehtes und letztlich wahrscheinlich noch nicht einmal besonders gelungenes Musical, das wegen seines THE WHO-Soundtracks und dem Versuch, ein Lebensgefühl zu konservieren, trotzdem nicht einer gewissen Relevanz und Vergnüglichkeit entbehrt.

Evil Dead 3: Armee der Finsternis (23.50 Uhr / Tele5)
Mit einigen netten Ideen ausgestalteter Zeitreise-Quatsch, der das EVIL DEAD-Universum endgültig mainstreamtauglich werden lässt, wegen ebenso unterbudgetierter, wie auch über Gebühr eingesetzter Effekte die Zeit allerdings deutlich schlechter überstanden hat, als seine beiden Vorgänger. Mochte den noch nie wirklich.

Mittwoch, 22.06.
The Sixth Sense (20.15 Uhr / Kabel1)
Auslöser eines neuen Twist-Script-Booms, der sich -nicht zuletzt wegen Shyalaman- innerhalb kürzester Zeit wieder selbst zu zerlegen begann. Die Verklärung des Films mutet absolut grotesk an, ich gebe jedoch gerne zu, dass mich die Atmosphäre und das Schwelgen in Erinnerungen an die ruhigen Anfänge des Gruselfilms seinerzeit schon irgendwie zu beeindrucken wussten.

The Others (22.10 Uhr / Kabel1)
Sah ich damals direkt nach THE HAUNTING, THE INNOCENTS und DAS WAISENHAUS, war deshalb in Bezug auf Geisterfilme etwas überfüttert, und konnte dem Ganzen wahrscheinlich aus diesem Grund wenig neue Aspekte abgewinnen - Nicole Kidman ist allerdings wirklich toll. Verdient sicher noch eine zweite Chance.

Donnerstag, 23.06.
Die Hexen von Eastwick (15.55 Uhr / RTL II)
Hat im Laufe der Jahre einiges von seiner Faszination verloren; der illustre Cast kann jedoch viel von dem wettmachen, was das fahrige Drehbuch mit seiner ungelenken Aufarbeitung verschiedener Märchenmotive in visuell eindrucksvollen, aber komplett zusammenhangslosen Szenen vergeigt.

Brügge sehen...und sterben? (22.45 Uhr / ARD)
Mittlerweile vom Geheimtipp zum common-sense-Film avancierte Gauner-Farce, die sich bewusst sonstigen postmodernen Zitatspielereien und Actioneinlagen entzieht, und stattdessen mit originellen Ideen, starken Dialogen und wohldosiertem Zynismus zu glänzen versteht. Unbedingt ansehen.

Freitag; 24.06.
Funny Games (01.10 Uhr / Tele5)
Der hochnäsige Offenbarungseid eines verbitterten, alten Mannes, der sich aus Angst vor den Entwicklungen einer modernen Medienlandschaft in kleinbürgerliche Ressentiments zu flüchten beginnt. Ein im Mantel der Hochkultur daherkommendes, kunstfeindliches Pamphlet.

The Wrestler (23.15 Uhr / WDR)
Das Abtauchen hinab in die Suburbs, hinein in das White-Trash-Milieu, ist nicht nur der ehrliche Gegenentwurf zu all den Aufstiegsphantasmen des Genres, sondern zeitgleich auch der reduzierteste und erwachsenste Film von Darren Aronofsky. Rourke ist außerdem tatsächlich grandios.

Immer Ärger mit Harry (1.20 Uhr / ARD)

Hitchcocks Ausflug ins Belanglose: Eine mit harmlosen Späßchen angefüllte Dorfposse ohne nennenswerten doppelten Boden, deren zunehmende Wiederholung aller Ereignisse den Film trotz kurzer Laufzeit unnötig breitgetreten wirken lässt. Losgelöst von Hitchs sonstigem Œuvre vielleicht akzeptabel, knapp nach REAR WINDOW und kurz vor VERTIGO aber ein seltsam mittelmäßiger Film.

Rope - Cocktail für eine Leiche (3.00 Uhr / ARD)
Ein minimalistisches, und technisch doch unglaublich anspruchsvolles Kammerspiel, dessen Vielzahl an Deutungsebenen und seine ebenso subtile, wie doch auch offensichtliche Behandlung des gesellschaftlichen Tabuthemas Homosexualität auch heute noch beeindrucken kann. Referenzfilm mit Auswirkungen auf mehrere Genres.


Kommentare:

  1. d'accord.
    Goodfellas seh ich nicht ganz so kritisch, aber besser und nicht so verklärend wie die "Paten". Dafür 8 Blickwinkel um einiges schlechter, die "Dennis Quaid rettet die Welt letzte viertel Stunde" reißt es nochmal nach unten.

    Und Funyy Games ist in der Tat nur ganz ganz ganz großer ekelhafter Dreck!

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  2. Dankeschön.
    Ich mag die GODFATHER-Filme -trotz ihres sicherlich auch nicht gänzlich unproblematischen Blicks auf die Cosa Nostra- lieber als die Scorsese-Filme, wohl auch, weil Coppolas Werke für mich von jeher eher ein recht breites Familienportrait, und erst in zweiter Linie "Mafiafilm" warem. Kann man aber anders sehen, ja.

    An das Ende von 8 BLICKWINKEL kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern - einer dieser typischen "sehen&vergessen"-Filme, aber ich glaub dir mal - solches Gedöns gehört ja quasi zum Inventar solcher Filme...

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  3. Chihiros Reise ins Zauberland (20.15 Uhr / SuperRTL)

    Es soll ja Leute geben, die an diesen Filmen durchaus ihre Freude haben; mich tangiert dieses Fantasy-Gedöns in Fernost-Optik allerdings nur sehr peripher.


    Bist Du irgendwie auf'n Kopp gefallen oder so?

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  4. Da besuchst du mich schon mal hier, und dann nur am meckern :P

    Ich weiß ja, dass die Filme irgendwas an sich haben müssen, was gut ist, denn sie werden durchaus von Leuten gemocht, die ich für mehr oder weniger vertrauenserweckend halte, aber bisher fand ich alle größeren/bekannteren Filme der Ghibli-Studios für mich persönlich auf vielen Ebenen nur schwer zugänglich :/ Aber wenn du einen Tipp hast, denn ich noch nicht kenne, lass' ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen...

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  5. Ja, hab ich. "Chihiros Reise ins Zauberland"!

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  6. Nachtrag @ CHIHIRO: Benötigt durchaus eine gewisse Einarbeitung, die man dem Film jedoch gönnen sollte. Durchaus fantasievolle Mischung aus gängigen und exotischeren Märchenmotiven, sowie eines naiven, aber netten Selbstfindungstrips. Erinnert an ALICE und OZ, was ja nicht unbedingt schlechte Vorraussetzungen sind. 7 / 10

    Hatte er also doch Recht, der weltbeste Kritiker :P

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  7. Understatement, freut mich aber trotzdem. :)

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  8. Eine Freundin von mir hat mir diesen Blog mal empfohlen, weil sie wissen wollte, was ich davon halte. Ich habe 15 Jahre Kino gemacht, selbst Kritiken geschrieben und habe seit zig Jahren Kinozeitschriften abonniert.
    Filmkritik soll Filme zugänglich machen, erschliessen. Mich interessiert nicht, wie gebildet, versnobt und der Fremdwörter mächtig der Verfasser ist. Was ich hier lese, finde ich langweilig und arrogant. Schade.

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