19. Januar 2011

Kritik: Dickste Freunde

A Ron Howard Film - The Dilemma“ -

Gerade einmal zwei Jahre sind vergangen, seitdem Regisseur Ron Howard sein Publikum in ILLUMINTATI durch die Gassen von Rom hetzte, und viel gelernt hat er offensichtlich nicht seit  der Adaption von Dan Browns mystischer Schnitzeljagd.

THE DILEMMA liegt eines jener Konzepte zugrunde, deren Verfallsdatum schon vor über zwanzig Jahren abzulaufen schien, die nichtsdestotrotz aber wieder eine steigende Präsenz in den Kinosälen für sich verzeichnen können: Im Mittelpunkt von Howards neustem Werk stehen die Probleme jener Menschen, die eigentlich keine Probleme haben: Das durch reine Omnipräsenz zu crowd-pleasern avancierte Duo aus James und Vaughn darf hier ungehemmt den Prototyp des Mittelklasse-Typen geben, Ambivalenzen kennt das Script in ihrer Charakterzeichnung ebenso wenig, wie die beiden grimassierenden Knallchargen die Bedeutung von zurückhaltendem Schauspiel.
Prägnant und doch inhaltlich erschöpfend zusammengefasst, ist THE DILEMMA einer jener Streifen, in denen verwegener Radio-Rock aus den Lautsprechern des Cabrios dröhnt, während man an der Skyline Chicagos vorbeifährt, und sich via iPhone über die Beziehungsprobleme seines Mikrokosmos den Kopf zerbricht.

Jene satirische Distanz, die sich als originärer Zugang angeboten hätte, scheint dem Film dabei völlig fremd, vielmehr sollen seine Figuren als genretypische Identifikationsfiguren funktionieren. Etwas was bei der archaischen Attitüde, die THE DILEMMA penetrant propagiert, nicht jedem Zuschauer leicht fallen dürfte: Cast und Werk hat sich nichts geringerem, als der Verklärung einer fahlen Männerfreundschaft als Archetyp menschlichen Zusammenlebens verschrieben. Es ist ein Weltenentwurf, in dem ein Faustkampf als die ehrlichste aller Problemlösungen erachtet wird, und Frauen nahezu folgerichtig nur als intriganter Ausgangspunkt von Vertrauenserosionen, oder als verständnisvolle Kumpeltypen auftauchen - für zwingend notwendig, daran lässt das Drehbuch aber keinen Zweifel, erachtet man(n) sie in keinem von beiden Fällen.
Würde der Film sich nicht an den unpassendsten Stellen so ernst nehmen; fast könnte man den Bau eines überlauten Sportwagen-Motors als McGuffin für eine selbstironische Randnotiz halten, so ist es nur der letztendliche Offenbarungseid.

Dass in Ron Howard kein subtiles Genius zu schlummern scheint, ist ein Zustand, an den man sich im Laufe der Jahre gewöhnt hat, der komplett inkohärente Tonfall von THE DILEMMA erscheint aber selbst bei gesenkter Erwartungshaltung überraschend: Die wenigen ruhigen Momente, die so etwas wie Komplexität zu heucheln scheinen, werden durch zunehmend redundanter wirkende Prügeleien und visuelle Gimmicks unterbrochen; nachdenkliche Dialoge verkommen innerhalb kürzester Zeit zur infantilen Aneinanderreihung von Sportmetaphern und Zweideutigkeiten. Anfängerfehler von einem Regisseur, dessen Œuvre sich schon einige Jahrzehnte hinzieht.

Trotz seiner unbestritten qualitativen Mängel wird THE DILEMMA mit großer Wahrscheinlichkeit sein Publikum finden, das Zelebrieren und Zementieren der Träume großer Jungs findet nicht erst seit HANGOVER wieder vermehrt Anhänger  - aber von einer guten Komödie, oder gar gelungenem Kino, ist all das freilich weit entfernt.

2 / 10
erschienen bei: mehrfilm

Kommentare:

  1. Ron Howard ist einfach ne Pappnase, ich habe so das nicht bestätigte Gefühl, dass seine Filme ja exorbitant erfolgreich sind. So vorhershebar und am Publikum anbiedernd inszeniert sonst keiner.

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  2. Da ist was dran. DILEMMA hat es auf jeden Fall geschafft, dass ich ihn jetzt noch mehr hasse, als damals nach THE GRINCH - eine Leistung, die man auch erst einmal hinkriegen muss :P

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  3. The Grinch war auch ganz fürchterlich, einer dieser Filme die mit ihren Figuren geradezu verächtlich umgehen

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