5. Januar 2011

Serienreview: Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!


Ungeheuer spaßiger deutscher Ableger des 2002 gestarteten "I'm a Celebrity...Get Me Out of Here!"-Konzepts aus England, dass sich entgegen mannigfaltiger Pressestimmen stets weiterentwickelt hat: Reduzierten sich die etwas ungelenken Anfänge noch zu sehr auf die Präsentation des Neuen, und wussten mit dem Widerhall in den Boulevardmedien wenig anzufangen, entwickelte sich die - auf den Namen  "Dschungel-Camp" verkürzte - Serie schnell zur geschickten Satire über die Mechanismen der eigenen Branche weiter.

"Ich bin ein Star..." trägt den Hohn gegenüber seinen Teilnehmern schon im Namen, denn das hier niemals ernstzunehmende Persönlichkeiten des Rampenlichts aufschlagen würden, war nach dem ersten Trailer für jedermann offensichtlich. Anders als in thematisch ähnlichen Programmentwürfen, wurde dies jedoch nie verheimlicht oder gar verklärt - niemand entlarvte den Etikettenschwindel so schnell als eben selbigen, wie das (in der letzten Staffel zu Höchstform aufgelaufene) Moderations-Duo Bach/Zietlow in ihrem Off-Geplänkel oder im Baumhaus-Studio.

Das Faszinierende daran ist letztendlich auch, dass keine Sendung so souverän über den ihr gegenüber geäußerten Vorwürfen steht, wie diese: Sie bedient ihren Voyeurismus stets bewusst, auch weil es keinen Grund gibt, ihn zu verschleiern: Anders als diverse andere Reality-Formate sind hier niemals unbedarfte Opfer zu sehen, die am Ring durch die mediale Manege geführt werden, sondern ein Konglomerat von Branche-Produkten, deren Buhlen nach Aufmerksamkeit und die Möglichkeit einer Bühne durch die Aufgabe der persönlichen Würde erkauft werden - wer bereit ist mitzuziehen, wird auch am Erfolg partizipiert.
Plumper, aber gleichzeitig auch treffsicherer als durch ein Bad in Kakerlaken kann man die Funktionsweise von Sendeplatznachbarn wie "DSDS" nicht aufzeigen und karikieren.

Zeitgleich ist dieser Dschungel-Käfig aber natürlich auch eine Petrischale der Trash-Kultur, deren alleinige Beobachtung Freude und Ärger; stets aber Unterhaltung verspricht: Zickenkrieg und Zebrahoden - eine Erfolgsstory.

9 / 10

1 Kommentar:

  1. Ich zappe mich hier gerade etwas durch Ihre Kritiken. Zuletzt bin ich bei Black Swan stehen geblieben, welchen Sie ja fast schon in der Luft zerreissen. Klar, es geht hier um persönliche Vorlieben und Geschmack, aber wenn ich hier fürs Dschungel Camp eine Bewertung von 9(!!!) sehe und daneben das Meisterstück Black Swan mit einer 3, dann muss ich (persönlich) Ihnen attestieren, dass Sie es zwar verstehen sich sehr eloquent auszudrücken, jedoch scheinen Ihre Kritiken mehr darauf zu beruhen, das Gegenteil der Allgemeinheit abzubilden (bis auf Ihre Lieblingsfilmemacher wie bsp. Burton). Wohl um sich etwa genau aus dieser abzuheben? Diese Meinung würde ja etwas kurz greifen und doch muss ich schwer davon ausgehen, denn dieses Muster zieht sich durch beinahe alle von mir hier gelesenen Kritiken.
    @Topic: Diese Volksversummung (anders kann man es nicht ausdrücken) für Freunde der allereinfachsten Unterhaltung kann man sich mit gutem Gewissen doch keine 5 Minuten antun. Und doch gestehe ich, habe ich auch schon ein wenig länger auf dem Kanal der ganz hohen Ansprüche (RTL) verweilt und den C-Promis dabei zugesehen, wie sie sich zum Affen machen. Nur jedoch, um nach 15 Minuten (oder bei der nächsten Werbeunterbrechung) mit Schrecken zu erkennen, was für einen Schund man sich da eigentlich angetan hat. Niveaulosere "Unterhaltung" als das hier muss man im deutschen TV schon erst noch finden. Da nützen auch fadenscheinige Argumente wie Sie sie hier anführen nichts. Das neue und zugleich erschreckende an solchen Formaten ist für mich: Scheisse wird nun auch als Scheisse angeboten und die Leute fressen es trotzdem. Arme Welt. Mahlzeit!

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