3. Januar 2011

Kurzkritik: Taxi Driver

"Days go on and on. They don't end." -

Viel zu  oft auf seine finale Gewaltexplosion reduziert, und durch mannigfaltige problematische Epigonen verunglimpft, bleibt Scorseses TAXI DRIVER auch nach über dreissig Jahren nicht nur Begründer eines neuen Subgenres, sondern gleichzeitig auch der bis dato beste Film aus eben diesem.

Es ist nicht so sehr die Radikalität des Erzählten, die TAXI DRIVER zu einer langen Nachwirkung verhilft, sondern die unerschütterliche Stringenz, mit der Scorsese und sein Hauptdarsteller ihr Psychogramm vortragen: Zu keiner Zeit verschreibt sich ihr Film den Konventionen oder Wünschen nach einer gewohnten Dramaturgie; sieht man vom Klimax gegen Ende ab, funktioniert TAXI DRIVER eher als statische Momentaufnahme seines desillusionierten Antihelden, denn als klassisches Erzählkino.

Dem zweifellos größten Seltenheitswert kommt dabei die Tatsache zu, dass Scorseses Figuren - allen voran der absolut beeindruckende deNiro - ambivalent erscheinen, jedoch zu keiner Zeit eine Verklärung oder Mythologisierung ihrer Handlungen stattfindet: Rache stellt sich in TAXI DRIVER niemals als eine wirkliche Alternative dar; sein Protagonist ist anders als in neueren Genrewerken kein edler Robin Hood der Moral, sondern ein von antisozialen und selbstzerstörerischen Trieben geleiteter  Mann, dessen scheinbare Legitimation seiner Taten durch eine problembehaftete Gesellschaft nur in seinem Mikrokosmos funktioniert, sich dem Zuschauer aber als pure Selbstgerechtigkeit offenbart.
Entlarvender kann solches Kino nicht sein.

9 / 10

Kommentare:

  1. Am Sonntag, den 30.1. um 17.30 Uhr wird bei uns in München im Filmmuseum der Film Taxi Driver gezeigt. Das Besondere: Es sind Psychoanalytiker dabei die den Film dann mit den Zuschauern diskutieren. Alleine aus „beruflichem“ Interesse bin ich dabei.

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  2. Klingt nicht schlecht - solche Gelegenheiten sollte man sich sowieso nie entgehen lassen; schon alleine weil die Möglichkeit, ältere Filme in Kinoatmosphäre zu sehen, nicht allzu oft vorkommt. Und die anschließende Diskussion ist sicherlich nicht uninteressant; eigentlich fordert der Film TAXI DRIVER eine solche ja geradezu heraus. Ich wünsche jedenfalls viel Spaß :)

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