30. September 2010

Kurzkritik: Angel Heart

Auch der Teufel betreibt ein Inkassobüro -

Ausgehend von Goethes wohl berühmtesten Werk schuf Alan Parker mit "Angel Heart" nicht nur eine moderne Weiterentwicklung des allseits bekannten Szenarios, sondern liefert quasi nebenher auch noch ein cineastisches Best-Of der 70er und 80er Jahre ab.
Was zu Beginn nach einem düster-verschlagenen Großstadt-Detektiv-Thriller ausschaut, wandelt sich nach und nach in ein ebenso mysteriöses, wie auch hypnotisches Okkult-Potpourri.

Mit Mikey Rourke als unsympathischen, aber trotzdem titelfigurtauglichen Schnüffler bewies Parker, dass er nicht nur von Atmosphäre einiges versteht, sondern auch von einer passenden Besetzung, hatte Rourke doch bereits zuvor einige Male in ähnlichen Rollen brilliert. Seine Angel-Figur ist es, die den Film dominiert, und - durch das Handicap der zu geringen Leinwandzeit ausgebootete - Schauspielgrößen wie deNiro vorführt.
Diese Bindung an den Hauptprotagonisten gibt dem Zuschauer den Halt, den er sonst in "Angel Heart" nicht finden kann: Mehr als nur einmal mäandert die Handlung und mit ihr der Spannungsbogen ziellos von einer Hommage in die nächste. So entsteht vorallem im Mittelteil einiger vermeidbarer Leerlauf, der durch die blutigen Suburb-Voodoorituale und ein paar nackte Brüste nur leidlich aufgefangen werden kann.

Überhaupt ist "Angel Heart" gut, aber dennoch merklich gealtert: Seine symbolischen Verweisketten, seine Anleihen an das Okkult- und Kannibalenkino, die voyeuristischen Frivolitäten  - all dies wirkt aus heutiger Sicht des Öfteren plumper als es sein müsste, und spoilert große Teile der Auflösung bereits nach dem erstmaligen Aufeinandertreffen der beiden Hauptprotagonisten.

Sicherlich, viele dieser Mankos können durch die finstere Atmosphäre und die tadellose Inszenierung von Szenerie und Ensemble wettgemacht werden, verhelfen ihm sogar zu einem Platz im oberen Segment des Genres - aber der vermeintlich tabulose Reißer von damals ist "Angel Heart" heutzutage nicht mehr.

7 / 10

Kommentare:

  1. Gute Kritik! Das muß ich dir lassen! Manchmal gibt es in einigen Dingen / bei manchen Meinungen und Kritiken doch Berührungspunkte! Ich hätte Angel Heart auch nicht viel anders bewertet!
    Tobe78

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  2. Der beste Voodoo-Film bleibt ja sowieso für immer und alle Zeiten THE SERPENT AND THE RAINBOW :)

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  3. @Hitmanski: The Serpent and the rainbow? hhhhmmm, vielleicht hab ich da bald was neues zu sichten! Danke für den Hinweis und deine Meinung! :)

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