12. Juni 2011

Kurzkritik: Halloween (2007)

"Until there is nothing left but pure evil." -

Von dem Gedanken an Gedenken ebenso beseelt, wie auch verblendet, frönt Rob Zombie nach seinen beiden filmischen Achtungserfolgen nun ungeniert dem Wahn, Vergangenheit neu aufleben zu lassen: Das Schlimme an einem Werk wie HALLOWEEN anno 2007 ist dabei noch nicht einmal die Tatsache, dass der Film nahezu jeden Vorwurf gegenüber lieblosen Neuauflagen von Genreklassikern auf sich zu vereinen versteht, sondern das ihn sein Regisseur -anders als es beispielsweise bei den PlatinumDunes-Produktionen, die von jeher kaum Zweifel an ihrer cashcow-Wesensart zuließen, der Fall gewesen ist- tatsächlich (und: glaubhaft) als Herzensangelegenheit verstanden haben möchte.

So sehr Zombie seine Kenntnisse im Horrorkino auszustellen versucht, und dabei nicht müde wird, diverse Verweise auf die Genregrößen in den Hintergrund zu montieren: Bereits in der ausufernden Einleitung erweist sich sein Konzept der gleichzeitigen Weiterentwicklung und Entmystifizierung der Myers-Figur als planloses Breittreten von Carpenters Ideen, auf deren Ausformulierung er zwar viel Zeit verschwendet, letztlich aber nur Nebensächlichkeiten thematisiert, bzw. mit vermeintlichen Kurskorrekturen das gesamte Projekt konzeptionell ad absurdum zu führen beginnt: Dass der Musiker auf dem Regiestuhl nicht müde wird, seinen Killer als zwangsläufiges Resultat einer Nicht-Erziehung innerhalb des White-trash-Milieus zu präsentieren, verdreht nicht nur einen der wenigen interessanten Aspekte des Originals in sein totales Gegenteil, sondern läuft mit seinen küchenpsychologischen, aber in der Realität verhafteten Erklärmustern auch der Überhöhung Myers als abermals unsterbliche Ikone des ultimativen Bösen, mit der die Handlung endet, völlig entgegen.

Zombie deshalb mangelnde Kenntnis der Vorlage, oder einen verstellten Blick zu attestieren, wären sicher noch zwei der harmloseren Vorwürfe, die man ihm machen könnte - da er aber vor allem ersteren in der zweiten Hälfte des Films durch ebenso unnötige, wie auch ermüdende Nachbauten des Ursprungsstoffes aus dem Hause Carpenter eindrucksvoll (?) entkräften kann, bleibt letztlich nichts anderes übrig, als ihm ein fehlendes Verständnis von diesem zu unterstellen.
Passend dazu, dass HALLOWEEN '07 sich keineswegs mit dem strittigen reaktionären Unterton Carpenters auseinanderzusetzen gedenkt, sondern eben jenen -und sei es auch eher aus Gründen der Bequemlichkeit, denn der Ideologie- frisch und fröhlich ins 21. Jahrhundert  transportiert, und ihn als Zugeständnis an den aktuellen Genretrend mit einem Dreh an der Misogynie-Schraube innerhalb einzelner Szenen sogar noch weiter in Richtung Unbehaglichkeit ausdehnt.

Vieles spricht dafür, dass Rob Zombie die Reichweite eines möglichen Subtextes vollkommen verkennt, dass er mit seinem HALLOWEEN tatsächlich nur eine blut- und tittengetränkte Neuauflage eines eigenen Kindheits(alb)traums vorlegen wollte. Ähnlich naiv und unfokussiert sieht das Endergebnis dann in vielerlei Hinsicht allerdings auch aus.

3 / 10

Kommentare:

  1. Boshaft und zutreffend! So liebe ich es. ;) - Auch hübsch, dass deinem berechtigten "Halloween"-Verriss eine Besprechung des kleinen Robert Wise-Klassikers "The Haunting" vorausging, leider auch nur eine kurze.

    AntwortenLöschen
  2. Dankeschön :)

    Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, dann versuche ich ja immer, alt & neu und gut & schlecht in einem angemessenen Verhältnis zu durchmischen, insofern bot es sich nach der positiven Überraschung bei THE HAUNTING (zu dem ich gerne mehr geschrieben hätte, der mich aber tatsächlich sprachlos hat werden lassen :P) durchaus an, mit dem HALLOWEEN-Remake ein gewisses qualitatives Risiko einzugehen. Bei verlässlichen Leuten habe ich allerdings gelesen, dass Part II dann besser sein soll, insofern habe ich die Kombination aus Halloween und Zombie noch nicht vollständig aufgegeben. :)

    AntwortenLöschen