18. Januar 2011

Kurzkritik: Gefährliche Liebschaften

"It's the only time I have ever been controlled by my desire." -

Wahrscheinlich gilt Stephen Frears Interpretation von „Les Liaisons dangereuses“ noch vor der sehr freien Tranformation des Stoffes in CRUEL INTENTIONS als die bekannteste der unzähligen Adaption des berühmten Korrespondenzen-Romans von de Laclos - einen Status, den es zu akzeptieren, aber in qualitativer Hinsicht zu hinterfragen gilt:

Es ist nur die (vermeintliche) Freiheit beim Ausbuchstabieren, die sich Frears in der skripttechnischen Aufarbeitung des zugrundeliegenden Briefwechsels nimmt, die DANGEROUS LIAISONS vor dem Vorwurf bewahrt, sich nahezu sklavisch seiner Vorlage zu verschreiben, deren Epoche nachzubauen, auf eigene Aspekte aber weitestgehend zu verzichten.

Ähnlich wie seine Darsteller ertrinkt auch der Film selbst in einer schwülstigen Ausstattungsorgie, die in ihrer Opulenz zwar die Erwartungshaltung an ein intrigantes Hofleben des Adels bedient, aber auch mehr als einmal die Faszination seiner amoralischen Geschichte zu verwässern droht. Es ist eine Literaturverfilmung, im Korsett eines Kostümfilms, aber niemals jenes Sittengemälde oder Erzählkino, dass es potentiell sein könnte.

Einzelne Szenen sind es, die vorallem durch die starken Leistungen des gesamten Casts in Erinnerung bleiben, und DANGEROUS LIAISONS sehenswert machen. Aber sie stehen in starken Kontrast zu Frears‘ sonstiger Inszenierung, die oftmals planlos Länge mit Breite verwechselt, den Film hetzt, wenn ihm die Ruhe besser stände, und innerhalb derer es dem Regisseur letztendlich auch nicht gelingen mag, das Schauspiel des Duos Close und Malkovich ausreichend zu konditionieren und dem Plot unterzuordnen.

Ich wage leise zu gestehen: CRUEL INTENTIONS bietet bei nahezu identischer Grundlage die interessantere und sezierendere Verfilmung jenes Intrigantenstadls, und beweist mit seinem Rich-Kids-Szenario sogar so etwas wie Eigenständigkeit.

6 / 10

Kommentare:

  1. Ui! Ich weiss nicht so recht. Die Damen mögen ja am Knackarsch von Ryan Phillippe ihre Freude gehabt haben; dein - durchaus mutiger! - Vergleich überrascht aber doch. Normalerweise setzt man der Adaption von Stephen Frears eher Forman's "Valmont" (1989) entgegen, den ich einschläfernd fand. Falls du ihn auch schon gesehen haben solltest, würde mich deine Meinung interessieren (bin nämlich ein Fan von Frears' "Dangerous Liaisons" , wofür ich mich jetzt beinahe ein bisschen schäme). ;)

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  2. Ist ja nun nicht so, dass es für den Rest mit Gellar und Witherspoon nix Nettes zum angucken gibt ;)
    Bei VALMONT muss ich leider passen. Ich finde einfach, dass CRUEL INTENTIONS alleine durch seine geschickte Transformation des Stoffes in die Moderne Mut und Geschick beweist; gerade wie er Moralkonstruktionen aufgreift und überspitzt (anstelle der Verheirateten tritt die eigene Schwester) zeigt, dass man die Vorlage zur Genüge durchdrungen hat.
    DANGEROUS LIAISONS bietet mir zuwenige eigene Ansätze, Frears emanzipiert sich in keiner Weise von der Vorlage, bzw. nur soweit, wie es nötig ist, um einen Korrespondenz-Roman eben auf die Leinwand bannen zu können. Das ist mir alles ein bisschen zu sehr auf klassischer Kostümfilm gebürstet - aber wenn ich Kostüme sehen will, dann schau' ich doch lieber MARIE ANTOINETTE :)

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