20. Mai 2011

Shorties: Poltergeist


"They're here." - 

Nach Hoopers naturalistisch gefilmten und unabhängig produzierten Abgesang auf die amerikanische Familie in TEXAS CHAINSAW MASSACRE entbehrt die Verpflichtung zum Regisseur von Spielbergs Gnaden während des POLTERGEIST-Projekts natürlich nicht einer gewissen Kuriosität. Doch obgleich der Haunted-House-Beitrag auch heute noch als Musterbeispiel des Produzentenfilms gelten darf, schadet das chaotische Kräfteverhältnis hinter den Kulissen dem Endergebnis weitaus weniger, als möglicherweise zu befürchten stand: Funktioniert POLTERGEIST auf den ersten Blick gar prächtig  als Genrefilm und klassische Geisterbahn; als ereignisreicher Trip voller visueller Einfälle und morbider Kreativität, dessen Spannung sich spiralförmig immer weiter zuspitzt, um sich im Finale mit -im wahrsten Sinne des Wortes- unbändiger Kraft gegenüber Protagonist und Zuschauer zu entladen, erzählt Spielbergs Script im Hintergrund noch eine ganz andere Geschichte: Irgendwo zwischen mütterlichen Verlustängsten und dem nötigen Zusammenhalt der Familie innerhalb einer Extremsituation, gönnt sich POLTERGEIST -vielleicht sogar als bewussten Kontrast hierzu- auch noch die schwarzhumorige Ausbuchstabierung der "Leichen im Keller"-Phrase hinsichtlich des amerikanischen Mittelstandes und seiner oberflächlichen Gartenzaun-Idylle.

All das sind einerseits ganz offensichtlich mehr oder weniger gängige Spielberg-Topoi, die sich auch inszenatorisch deutlich näher an dessen Vorstellungen, denn an anderen Hooper-Werken orientieren; auf der anderen Seite ermöglicht vielleicht gerade eben jenes Vorschieben eines anderen Namen, dass sich POLTERGEIST zumindest zeitweise einer Härte bedienen kann, die im Kontext des fast zeitgleich erschienenen INDIANA JONES-Franchise und des E.T.-Films nur schwer vermittelbar gewesen wäre.

8.5 / 10

Kommentare:

  1. @Hitmanski: inhaltlich stimme ich dir zu, nur ist meiner Meinung schon allzu offensichtlich, das sich Poltergeist aus heutiger Sicht technisch stark abgenutzt hat!
    Trotzdem: gute Kritik

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  2. Visuelle Tricks sind Schall und Rauch; ein komplett überschätzter Aspekt in der Filmrezeption, wenn man danach gehen würde, müsste man sich sowieso alle zehn Jahre neu justieren.

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