22. März 2011

Kurzkritik: Weihnachten im Juli

„This is a business, not a cultural project“ -

Preston Struges setzt an jenem Punkt an, den er bereits kurze Zeit vorher in seinem Debüt „The Great McGinty bearbeitet hat: Die Demaskierung der amerikanischen „from rags to riches“-Lebenslüge.
In vielerlei Hinsicht ist „Christmas in July“ nun nicht nur wegen seiner anderen Schwerpunktsetzung, weg vom politischen System, hin zur US-Wirtschaft und ihren Angestellten, die Spiegelung von Sturges‘ Erstling, sondern auch dessen logische Fortführung: Dick Powell gibt hier den Prototyp des Durchschnittsbürgers, stets von der Hoffnung auf den gesellschaftlichen Aufstieg angetrieben, aber doch auch immer bestrebt, nicht vom rechten Weg abzukommen. Aber aller Redlichkeit zum Trotz -  wie vorher Brian Donlevy, fällt auch ihm der erhoffte Ruhm samt seiner Vergünstigungen nur durch bloßen Zufall, nicht durch harte Arbeit, in die Hände.

Ähnlich wie zwanzig Jahre später in Wilders Apartment, liegt die größte Pointe des Films dabei in den halbseidenen Mechanismen des portraitierten Wirtschaftssystems selbst begraben: Nicht die Leistung wird belohnt, sondern eine glückliche Fügung, ein Scherz - und ist man erst einmal auf der richtigen Spur, wird sich zwar genüßlich am Erfolg anderer partizipiert, aber dieser nur selten hinterfragt. All die vermeintlichen Qualitätskontrollen, hochheiliges Inventar amerikanischer Unternehmen, entlarvt Sturges als bürokratische Farce, nur um letztlich das Fazit nahezulegen: Anstrengung alleine reicht wohl nicht immer für den persönlichen american dream aus. 

Erstaunlich dabei, wie „Christmas in July“ neben all seinem politischen Subtext trotzdem auch als schwindelerregend schnelle und dynamische Screwball-Comedy funktioniert, die gekonnt spitzfindige Dialoge mit brachialem Slapstick unterbricht, zwischen Geschlechterauseinandersetzungen und Gesellschaftssatire hin und her wechselt, und trotz der trennscharfen Figurenzeichnung niemals zum bloßen Klischee verkommt. 

7.5 / 10

Kommentare:

  1. Wunderbar, dass du an den Erstling von Preston Sturges erinnerst! Ein Film der es verdient, entdeckt zu werden.

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  2. Auf jeden Fall! Sturges selbst ist ja auch noch viel zu unbekannt...

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