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6. Oktober 2013

Shorties: Tenebrae



TENEBRAE sollte für Argento nicht nur die Rückkehr zum klassischen Giallo seiner Anfangstage bedeuten, sondern gewissermaßen auch ein Befreiungsschlag. Immer wieder betont der Regisseur, die Geschichte um den Autor zahlreicher Bestseller mit zweifelhafter Reputation, sei auch Resultat der stetig wiederkehrenden Misogynie- und Gewaltvorwürfe, von denen die Rezeption seiner Filme stets mitgeprägt war. Letztlich gerinnt das nur zur morbiden Pointe, und zuviel sollte man sich inhaltlich von TENEBRAE trotz solcher Anekdoten natürlich sowieso nicht erwarten: Abermals wird der Whodunnit-Plot von munteren Motivwechseln und aberwitzigen bis durchaus albernen Wendungen regiert - Dario Argento lebt für seine Bilder, nicht für die Handlungen, die diese leidlich zusammenhalten. Insofern durchaus erstaunlich, wenn nicht sogar etwas enttäuschend, dass TENEBRAE von einigen grandiosen Kamerafahrten und der geschickten Ausnutzung verschiedener Räumlichkeiten nebst passendem Soundeinsatz abgesehen, im Vergleich zu den vorherigen Ausflügen des Italieners in Welt des Übersinnlichen, fast schon nüchtern daherkommt.  
7 / 10

16. April 2012

Shorties: Giallo


Wahrhaft ärgerlich an diesem Offenbarungseid im Kubikquatschformat ist nicht etwa, dass Argento den Vergleich gegen seine früheren Werke (abermals) sang- und klanglos verliert, sondern, dass GIALLO auch für sich alleine betrachtet nur als überaus dümmlicher Hybrid aus alten und neuen Genre-Trends daherkommt. Augenscheinlich komplett dem Zynismus und der Misogynie verfallen, gibt sich der alte Mann auf dem Regiestuhl fortan damit zufrieden, junge Schönheiten in dunklen Gewölben ziemlich explizit foltern zu lassen - Rechtfertigungen für diese Exzesse finden dabei weder inhaltlich noch auf einer künstlerischen Ebene statt. Fast möchte man hinter all dem, durch den Verleih-Titel offensichtlich zur kompletten Abstinenz einer logischen Handlung ani- und legitimierten, Nonsens ein Konzept vermuten; möglicherweise ein Herausarbeiten der Subgenre-Essenzen – aber das wäre, insbesondere vor dem Hintergrund des qualitativ fürchterlichen restlichen Spätwerks, Schönrederei: Alleine die Tatsache, dass der Film jegliche formale Finesse vermissen lässt und ähnlich grobschlächtig daher kommt, wie sein Killer, scheint Anlass genug für den Rat zu sein: Dario, mach‘ endlich Schluss. Peinlich ist es schon jetzt. 
1 / 10

12. November 2011

Shorties: The Stendhal Syndrome


Dario Argentos etwas breitgetretene Verfilmung einer traumatisch bedingten Identitätskrise bricht nicht nur bewusst mit den Erwartungen des ihn stets in zu kleine Schubladen steckendes Publikums aus Genrefans und -kritikern, sondern erweist sich tatsächlich auch als die einzig wirklich gelungene Frischzellenkur des eigenen Schaffens innerhalb eines bislang stets enttäuschenden Spätwerks.
Als munteres Gemisch aus Eigenzitat und Genre-Crossover getarnt, poltert sich THE STENDHAL SYNDROME dabei kreuz und quer durch (populär)wissenschaftliche Erkenntnisse zur titelgebenden Wahrnehmungsstörung, und den Bewältigungsstrategien von Vergewaltigungsopfern, nur um schlussendlich in einem ebenso kruden wie doch auch konsequenten Finale zu gipfeln, dass das Desinteresse des Italieners an stringent-konventionellen Plots einmal mehr überdeutlich aufzeigt.
Aber ein großer Geschichtenerzähler wollte und konnte Argento wahrscheinlich sowieso nie sein, und doch wird man lobend hervorheben müssen, dass - auch Dank dem konzentrierten Spiel von Töchterlein Asia - THE STENDHAL SYNDROME nicht nur als ebenso fantasievolle wie altbewährte Vermischung von Wahn und Wirklichkeit funktioniert (großartig: die Eingangssequenz), sondern vielleicht zum ersten Mal in seiner Karriere auch eine Hauptfigur beinhaltet, deren Schicksal man nicht nur in Erwartung eines spektakulär gefilmten Ablebens oder Hinblick auf die Auflösung beiwohnt, sondern ihm wirkliches Interesse entgegen bringen kann.
Es ist vielleicht nicht der Film geworden, den man nach einem pompösen Meisterwerk wie OPERA erwartet hätte, aber im Gesamten es ist dann eben doch ein - wenngleich auch zurückhaltender als frühere Arbeiten des Regisseurs inszenierter - echter Argento geworden, der inmitten der belämmerten (höhö) Thrillerlandschaft der 90er eine spannende Ausnahme bildet. Sehenswert.

7 / 10