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30. Dezember 2012

Kurzkritik: The Dark Knight Rises


"There's a storm coming, Mr. Wayne. You and your friends better batten down the hatches, because when it hits, you're all gonna wonder how you ever thought you could live so large and leave so little for the rest of us." 

Ein kleiner Junge intoniert die Nationalhymne, ein Football-Spiel beginnt – dann zündet die Bombe und reißt ein Loch in die Ingredienzen des american way of life. Szenen von solch tumber Symbolkraft reiht der Film im Minutentakt aneinander, und wem es trotzdem noch nicht klar geworden sein sollte, der bekommt es von Batman im mittlerweile berühmt-berüchtigten Grummel-Modus, wahlweise aber auch von jeder anderen Figur noch einmal brav vergegenwärtigt – Kino bei dem keiner zurückgelassen wird, denn: Hier geht’s um etwas Großes.

Gelang es Christopher Nolan dabei im Vorgänger noch, Comic-Reliefs mit realer 9/11-Bewältigung zu verschmelzen und daraus zumindest einen in Aspekten interessanten Diskurs über Gegensätzen, über Anarchie und Totalitarismus zu erschaffen, scheitert RISES einmal mehr am allumfassenden, selbstverordneten Realitätswahn. In diesem überlangen und in schwarz-blaue Farben getauchten Kauderwelsch aus Finanzkrisen-Allegorien und verquerer Robin-Hood-Lyrik wird zwar der hollywoodesken Vorstellung der Revolte des Proletariats in Form hübscher Bilder Entsprechung verliehen (und: schlussendlich natürlich wieder in die Ordnung überführt). Lediglich: Für Figuren oder gar Charaktere bleibt bei alledem kein Platz. Aufgestellt und von ähnlichem Sex-Appeal wie eine akademische Versuchsanordnung werden hier die Fäden der bisherigen Teile zusammengebastelt und Beziehungen behauptet; das Leiden Bruce Waynes darf man zwar an Christian Bales verzwicktem Gesichtsausdruck ablesen – wirklich spüren kann man es nicht. Ähnliches gilt im Übrigen auch für die Beweggründe von Bane, der nicht nur wie ein dummer und (ebenfalls) grummelnder Bösewicht aussieht, sondern letztlich auch nur genau das ist. Und wo steckt eigentlich Michelle Pfeiffer, wenn man sie braucht?
3 / 10

9. Januar 2011

Kritik: The Dark Knight


THE DARK KNIGHT bleibt auch nachdem die Jubelfanfaren um Heath Ledgers Performance verklungen sind, ein schwer in ein Bewertungsschema zu pressender Film, ist Christopher Nolans größter Verdienst doch auch sein größtes Manko: Es ist folgerichtig, dass der Mittelteil seiner Trilogie den durch Millers Comics inspirierten Pfad weiterschreitet, und nach dem Weltenbau im Vorgänger nun auch die narrative Ebene in der Realität verortet werden kann. Inwieweit man allerdings bereit ist, 9/11 als Ansatzpunkt einer Comicverfilmung zu akzeptieren, wird maßgeblich von der Toleranz des einzelnen Rezipienten abhängen.

Litt BATMAN BEGINS dabei bisweilen stark unter der Last, Ouvertüre und eigenständiges Werk sein zu müssen, ermöglicht seine Existenz Nolan für den Nachfolger nun zumindest eine gestraffte Dramaturgie, ist der Rahmen seiner Titelfigur doch in den Grundzügen bereits definiert, und bedarf nur noch der Ausgestaltung.
Beschäftigte sich der erste Film vorallem mit der Transformation von Bruce Wayne in Batman, konzentrierte sich dabei vorwiegend auf die inneren Stukturen seines Protagonisten, und verband dabei die Frage nach der Berechtigung  einer symbolträchtigen Rächerfigur wie Batman mit der moralischen Hinterfragung von Waynes persönlichem Schicksal und den daraus resultierenden Entschlüssen, politisiert THE DARK KNIGHT bewusst sein Szenario, greift die Fäden des Vorgängers zwar auf, spinnt sie nun aber deutlich am aktuellen Weltgeschehen entlang: Es ist der Versuch, Terror und Paranoia einzufangen, ihre Mechanismen zu sezieren, der Nolan hierbei antreibt; mit Batman und seinen beiden Antagonisten fügt er eine weitere Konstante in die Systemstuktur seiner Welt  ein,  die - alle auf ihre Weise - geschickt zu deren Erosion beitragen.

Es sind per se keine unbedingt klassischen Motive, die jede der Figuren auszeichnet, und doch nimmt man sie durch ihre Omnipräsenz in den letzten Jahren als solche wahr: Ist Unrecht im Kampf für das Recht moralisch zu legitimieren?
Im Bezug auf die Titelfigur geht der Film deshalb auch nicht wesentlich weiter als  BATMAN BEGINS, ihre Hinterfragung ist nicht Entwicklung, sondern Teil des anfänglichen Konzepts, die Parallelen die Nolan zwischen einer Quasi-Institution wie dem maskierten Flattermann, und realen Geheimdiensten zieht wird nirgendwo deutlicher als im vorgezogenen Schiffsfinale, in dem die obige Fragestellung packend, aber auch eindimensional zur Parabel über den Patriot-Act ausbuchstabiert wird.

Entgegen landläufiger Meinung geht - unter Auslösung der Darstellerebene - auch von Ledgers Joker wenig wirkliche Faszination aus; die ihm immanente Metaphorik, als ikonisierter Pate eines ebenso barbarischen, wie auch in seiner Motivation eher schwer zu umreißenden Terrors funktionieren zu müssen, engt seine Charakterzeichnung stark ein; die  bewusste Positionierung gegenüber Batman als einander ebenso bedingende, wie auch abstoßende Variable, trägt zwar zur größeren Akzeptanz bei, als es bei Ra's al Ghul der Fall war, geht in ihrer Tiefenwirkung aber auch nicht weiter als Burtons Beziehungskonzeption fast zwanzig Jahre vorher.

Die devote Faszination gegenüber einem kostümierten Bombenleger, die Film und Regisseur dabei des Öfteren fahrlässig an den Tag legen, vergisst aber nahezu vollständig das Potential der Dent-Figur abzuschöpfen, oder auch nur auszuleuchten; ist dieser doch in Verkennung der Strahlkraft seiner Symbolik stets nur Randfigur - erst von Bruce Wayne, später vom Joker. Dabei wäre die Metamorphose seines Körpers und Gerechtigkeitssinns, die subtilste Art gewesen die Auswirkungen eines nur sich selbst unterstehenden Vigilantismus aufzuzeigen, ebenso wie seine neurotische Zerissenheit sich als Spiegel Waynes geeigent hätte.

Schlußendlich gelingt es Nolan, seine Interpretation des Batman-Stoffes weiterzuentwickeln, einen inhaltlichen und visuellen Einklang herzustellen, und so wirkt THE DARK KNIGHT trotz seiner vermehrten Zugeständnisse an actionaffines Blockbusterpublikum reifer und homogener, als BATMAN BEGINS. Sein aufgeblasener politischer Subtext bleibt dabei aber ebenso wie die rationale Welt und Nolans technizistischer Inszenierungsstil Geschmackssache.
7 / 10

15. Dezember 2010

Kritik: Batman Begins

„Legend, Mr. Wayne“ -

Es ist ein bemühter Auftakt, den Christopher Nolan den vor sich dahindarbenden Fans der Nachtkreatur aus dem Hause DC mit „Batman Begins“ nach fast zehn Jahren Abstinenz serviert:

Mit einer ebenso infantilen, wie doch notwendigen Trotzreaktion auf die grellen Camp-Spekatkel aus dem Hause Schumacher, eröffnet der dritte Regisseur innerhalb der Fledermaus-Reihe, seine Adaption des Comicstoffes: Sein Bruce Wayne muss noch während des Intros durch den Schlamm robben, und sich in unwirtlichen Gefängnissen am Ende der Welt herumprügeln.

Es ist ein schwieriges Unterfangen, in welches sich der fünfte Batman-Film dabei an manchen Stellen gerade zu manisch hineinsteigert: Er möchte als modernes und integratives Werk seiner Dekade gelten, peinlichst darum bemüht, jeglichen Bruch mit der Ernsthaftigkeit im Keim zu negieren, um sich als klare Antipode zu den konturlosen, aber selbstironischen Schumacher-Werken zu positionieren, und pendelt in der Frage, wie er dem burton‘schen  Erbe begegnen soll, trotzalledem ziellos umher: So  stark Nolans Faszination für die ausführlichen Charakterisierungen und die Figurenzeichnung in „Batman Returns“ sein mag, so sehr zeigt er sich von der verspielten Ästhetik in Burtons‘ Gotham City abgestoßen.

Sein Ansatz, grundlegenden Charakterfäden aufzugreifen, sie im Rahmen einer neuen Geschichte zu variieren, und in die eigene Inszenierung zu implementieren, ist nun ein ebenso ambitionierter, wie in letzter Konsequenz gescheiterter:

Jene Szenen, die in „Batman“ beiläufig eingeflochten wurden, werden zur Introduktion der Titelfigur ausgebaut, was in Hinblick auf die geplante Trilogie sicherlich notwendig ist, dem Film jedoch einen vergleichsweise zähen Einstieg beschert, den man nach über sechzig Minuten, nicht wirklich zu legitimieren weiß: Nolans Film erzählt viel, und doch wenig, er konstruiert einen banalen Kampf gegen die Schatten der Vergangenheit - erst in Form eines Kindheitstrauma, dann in der Konfrontation mit seinem „Erschaffer“ - als Motivation hinter der Kunstidentität der „Batman“-Figur, und außer dem immerwiederkehrenden Aufgreifen des Furcht-Motivs im weiteren Filmverlauf, weiß er erstaunlich wenig substantiell Neues zu berichten.

Natürlich ist es ein charmanter Script-Einfall, dass die Rahmenhandlung die gleichen moralischen Fragestellungen für den Makrokosmos aufwirft, die auch Bruce Wayne mit sich selbst ausficht, aber es ist nur eine mäßig clevere Vertuschung der Tatsache, dass sich die Handlung mit zunehmender Zeit dem ominösen Masterplan eines Schurken verschreibt, und sowohl narrativ, als auch in der Inszenierung, in ein elendig oft durchdekliniertes Bösewichter-ABC abrutscht. 

So sehr „Batman Begins“ in der ersten Hälfte seinen Finger nach bedeutsamer Größe ausstreckt, und sich sichtlich in all den pathetischen Gesten und theatralischen Dialogen gefällt, so sehr entlarvt er sich beim verzückten Zerlegen ganzer Stadtviertel gegen Ende selbst: Es ist mehr Schein als Sein; den Bruch mit den Konventionen des Actionkinos möchte Nolan zu keiner Zeit so konsequent vollziehen, wie es Burton in „Batman Returns“ tat.

Es sind die Geister, die er rief, die Christopher Nolan das Leben bisweilen schwer machen:
Wer Fantasie gegen Technik ausspielt, und behände versucht, einem klinisch reinen Perfektionismus zu huldigen, der wird sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob über Dächer hüpfende Panzerwagen und ein Yuppie im Flattermann-Anzug eigentlich überhaupt noch in ein so charakterisiertes Setting passen.
Insgeheim scheint man sich dieses Problems bewusst zu sein, umgeht man allzu überzeichnete, und deshalb inhomogene - Gegenspieler doch einfach damit, dass man sie in die pure Bedeutungslosigkeit degradiert: Scarecrow ist eine Randnotiz und Aufhänger einiger CGI-Sperenzchen, Ra's al Ghul als Antagonist viel zu abstrakt und unpräsent, um als Final-Part glaubwürdig zu funktionieren.

Natürlich wird auch „Batman Begins“ seiner Rolle als Nolan-Blockbuster insofern gerecht, als das sich alles Dargestellte auf technisch durchwegs hohem Niveau bewegt, und vorallem in den Nebenrollen durch ebenso bewährte, wie auch verschenkte Gesichter zu gefallen vermag.
Bales desinteressierte Wayne-Interpretation ist nach Keaton und Kilmer jedoch nahezu unverzeihlich; entwickelt sein Wandel vom komplett underactenden Milliardär in einen grunzenden Rächer doch eine seltsame Eigendynamik, die mitunter die Grenze zur unfreiwilligen Komik überschreitet.

Obwohl die Variablen andere sind, sind es doch die gleichen Punkte mit umgedrehten Vorzeichen, an denen nach Burtons Erstling, nun auch Nolans Startversuch scheitert: „Batman Begins“ fehlt der Wille zur allumfassenden Eigenständigkeit, er ist in seinen Ansätzen und Intentionen zwischen Tiefgang und Popcorn schlicht überladen und inkohärent - auch hier sollte sich der Nachfolger in seinem bedingungslosem Bekenntnis zum Sommerblockbuster, als der bessere Film erweisen.

5.5 / 10

18. Oktober 2010

Kurzkritik: Memento


Es ist letztendlich müßig darüber zu diskutieren, ob der umgekehrte Aufbau "Mementos" Selbstzweck ist; ob es den Film besser oder schlechter macht: Man sollte ihn als Teil eines vom Regisseur erschaffenen Gesamtwerkes hinnehmen, und nicht ständig versuchen, den Sinn zu hinterfragen.

Dies liegt vorallem daran, dass man die Auseinandersetzung mit "Memento" sonst an den falschen Punkten aufhängt: Nolans zweiter Langfilm ist in erster Linie auch fernab eventueller Selbstzweckhaftigkeiten in seiner Erzählstruktur ein langamtiges und dramaturgisch zweifelhaftes Vergnügen, welches sich inhaltlich zuwenig von der Stelle bewegt.
Die Analyse der psychischen Unzulänglichkeiten seiner Hauptfigur ist interessant und korreliert natürlich prächtig mit dem erzählerischen Konzept - aber sie nimmt gegenüber der Kriminalhandlung einen zu großen Raum ein, und bremst so jene Spannung aus, die dem Amnesie-Plot wesensimmanent eher abgeht.

Es erschwert unnötig den sowieso nicht ganz leichten Zugang zu Christopher Nolans Film, weil weder die Empathie gegenüber den Figuren, noch die Faszination des Rätsels ausreichend ist, um den Zuschauer bei der Stange zu halten: Soviel Eindruck es einfordert, eine Geschichte so zerfahren und in letzter Konsequnez doch logisch zu erzählen und zusammenzuführen, so unsexy ist doch die technokratische Auflösung des Ganzen: Kein doppelter Boden, keine Psychologie, kein Lynch-Feeling - "Memento" verwirrt nicht mit Mysterien, sondern mit Mathematik.

Die damiteinhergehende Distanzierheit des Geschehens mag aus diesem Grunde sogar gewollt sein - aber mich lässt sie kalt.

4 / 10

16. August 2010

Kritik: Inception


Es wäre natürlich billig und ungerechtfertigt, wenn man einem Produkt den Hype vorwerfen würde, der es umweht - trotz alledem beeinflusst eine solche Omnipräsenz das eigene Sehverhalten und die Wertung dessen was man sieht. Ich wäre niemand, der „Inception“ wegen des Hypes als solches schlecht findet, aber ich gebe zu, es wurden bei mir - sowohl bewusst als auch unbewusst - Erwartungen geweckt, denen er nicht standhalten kann.

Das liegt nicht etwa an der Geschichte oder den Winkelzügen, denen sich Nolan hingibt. Bezüglich dessen habe ich genau das bekommen, was ich erwartet habe: Eine in sich logische Konstruktion, die für den geneigten Zuschauer genügend Ansätze zur weiteren Interpretation und Deutung beinhaltet, aber nicht gerade vor Kreativität platzt. „Inception“ ist bei aufmerksamer Betrachtung in jedem Moment logisch - aber besonders intelligent oder kreativ ist er dabei noch lange nicht, da helfen auch ein paar bedeutungsschwere Kreiseldreher nicht. Sicherlich, man kann über vieles spekulieren, und ich bin überzeugt es gibt freundliche Menschen hier, die mir besondere Deutungen vorstellen werden - aber in Essenz ist der Grundplot nichts weiter als „Oceans Eleven“ mit negativen Vorzeichen und einem Hauch „Matrix“. Sicherlich, das Ende ist der Hinweis mit dem Vorschlaghammer, das Internet mit Theorien zu überfluten - aber es wirkt seltsam unpassend, hat Nolan sich bis zu diesem Schlusspunkt doch ständig dazu berufen gefühlt, dem Zuschauer alles haarklein zu erläutern und/oder deutlich unsubtil vorzusetzen. Damit man mich nicht falsch versteht: Mir persönlich macht das nichts aus, aber ob es wahrhaft so komplex ist, wie manche vielleicht erwarten, wage ich in Frage zu stellen.

Das wirkliche Problem von „Inception“ ist aber nicht die Handlung, sondern vielmehr die Tatsache, dass Nolan diese nur als Aufhänger für überlange Actionsequenzen missbraucht. Diese erinnern zum Teil frappierend an schonmal Dagewesenes, von James Bond bis hin zu „Matrix“, sind vorallem aber das ermüdende Zugeständnis an das einnahmenträchtige Popcornpublikum. Der Verweis, solch eine rasante Abfahrt inklusive Granatwerfer-Biathlon sei doch nunmal ein "typischer Traum" ist doch recht einfach und passt so garnicht in die sonstige durchkalkulierte und unpersönliche Traumarchitektur. Natürlich, es gibt formell nichts zu beklagen an der Explosionsfront, technisch ist das alles einwandfrei - aber es berührt mich zu keinem Zeitpunkt. Da wären zum einen die Träume selber, die eindeutig die Handschrift Nolans tragen - nämlich die eines kalkulierenden Technokraten. Es ist diese klinische Perfektion, die akribische Planung der ganzen Traumwelt, die jeglichen emotionalen Zugang zu ihr verbaut - ein paar lieblose Physik- und Schwerkraftsspielreien ist das Maximum an Möglichkeiten im nolan´schen Kosmos. Dieses Konzept der Sterilität mag bei „The Dark Knight“ funktioniert haben, aber nicht hier, wo der Dreh- und Angelpunkt doch letztendlich die Fantasie und das Unterbewusstsein sind. Die surrealen Einschübe kommen da ähnlich galant um die Ecke, wie der Güterzug, der sie darstellen soll.

Zum anderen sind es die Akteure, die sich innerhalb des Traumkonstrukts bewegen: Es gibt keinen emotionale Bindung zu ihnen; genau wie die Traumwelten begegnen sie einem seltsam kalt, distanziert und trotz (langweiligem und pathetischen) Liebesgedöns komplett asexuell. Durch dieses Defizit bei den Figuren kommt es auch dazu, dass sich keinerlei wirkliche Dramatik entwickelt: Da kann der Score noch so laut rumdonnern und noch soviel Kameratrickerei auf dem Schirm zu sehen sein - solange mir die Figuren herzlich egal sind, solange stellt sich auch kein Gefühl des Mitfieberns ein, zumal es bei DiCaprio reichlich Parallelen zu seiner - auch nicht gerade vor Kreativität strotzenden - Rolle in Scorseses „Shutter Island“ gibt.
Ich habe lange überlegt, welche Punktzahl denn „Inception“ nun schlussendlich angemessen ist: Zum einen mag der Film für Leute mit überdurchschnittlichen Hang zur Interpretation vielleicht die eine oder andere Ebene offenbaren, über die er glücklich ist und die höhere Wertungssphären rechtfertigt. Wer dieser Vorliebe jedoch nicht frönt (was herzlich wenig mit dem Verständnis des Films als solches zu tun hat - nur um diesem Vorwurf vorzubeugen), der bekommt klinisch-perfektes Actionkino neuerer Bauart. Für zweitere Gattung gilt: Man kann sich „Inception“ ansehen, aber ich wüsste wirklich nicht, was einem fehlen würde, wenn man es nicht täte.

4.5 / 10