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30. Dezember 2012

Kurzkritik: The Dark Knight Rises


"There's a storm coming, Mr. Wayne. You and your friends better batten down the hatches, because when it hits, you're all gonna wonder how you ever thought you could live so large and leave so little for the rest of us." 

Ein kleiner Junge intoniert die Nationalhymne, ein Football-Spiel beginnt – dann zündet die Bombe und reißt ein Loch in die Ingredienzen des american way of life. Szenen von solch tumber Symbolkraft reiht der Film im Minutentakt aneinander, und wem es trotzdem noch nicht klar geworden sein sollte, der bekommt es von Batman im mittlerweile berühmt-berüchtigten Grummel-Modus, wahlweise aber auch von jeder anderen Figur noch einmal brav vergegenwärtigt – Kino bei dem keiner zurückgelassen wird, denn: Hier geht’s um etwas Großes.

Gelang es Christopher Nolan dabei im Vorgänger noch, Comic-Reliefs mit realer 9/11-Bewältigung zu verschmelzen und daraus zumindest einen in Aspekten interessanten Diskurs über Gegensätzen, über Anarchie und Totalitarismus zu erschaffen, scheitert RISES einmal mehr am allumfassenden, selbstverordneten Realitätswahn. In diesem überlangen und in schwarz-blaue Farben getauchten Kauderwelsch aus Finanzkrisen-Allegorien und verquerer Robin-Hood-Lyrik wird zwar der hollywoodesken Vorstellung der Revolte des Proletariats in Form hübscher Bilder Entsprechung verliehen (und: schlussendlich natürlich wieder in die Ordnung überführt). Lediglich: Für Figuren oder gar Charaktere bleibt bei alledem kein Platz. Aufgestellt und von ähnlichem Sex-Appeal wie eine akademische Versuchsanordnung werden hier die Fäden der bisherigen Teile zusammengebastelt und Beziehungen behauptet; das Leiden Bruce Waynes darf man zwar an Christian Bales verzwicktem Gesichtsausdruck ablesen – wirklich spüren kann man es nicht. Ähnliches gilt im Übrigen auch für die Beweggründe von Bane, der nicht nur wie ein dummer und (ebenfalls) grummelnder Bösewicht aussieht, sondern letztlich auch nur genau das ist. Und wo steckt eigentlich Michelle Pfeiffer, wenn man sie braucht?
3 / 10

9. Januar 2011

Kritik: The Dark Knight


THE DARK KNIGHT bleibt auch nachdem die Jubelfanfaren um Heath Ledgers Performance verklungen sind, ein schwer in ein Bewertungsschema zu pressender Film, ist Christopher Nolans größter Verdienst doch auch sein größtes Manko: Es ist folgerichtig, dass der Mittelteil seiner Trilogie den durch Millers Comics inspirierten Pfad weiterschreitet, und nach dem Weltenbau im Vorgänger nun auch die narrative Ebene in der Realität verortet werden kann. Inwieweit man allerdings bereit ist, 9/11 als Ansatzpunkt einer Comicverfilmung zu akzeptieren, wird maßgeblich von der Toleranz des einzelnen Rezipienten abhängen.

Litt BATMAN BEGINS dabei bisweilen stark unter der Last, Ouvertüre und eigenständiges Werk sein zu müssen, ermöglicht seine Existenz Nolan für den Nachfolger nun zumindest eine gestraffte Dramaturgie, ist der Rahmen seiner Titelfigur doch in den Grundzügen bereits definiert, und bedarf nur noch der Ausgestaltung.
Beschäftigte sich der erste Film vorallem mit der Transformation von Bruce Wayne in Batman, konzentrierte sich dabei vorwiegend auf die inneren Stukturen seines Protagonisten, und verband dabei die Frage nach der Berechtigung  einer symbolträchtigen Rächerfigur wie Batman mit der moralischen Hinterfragung von Waynes persönlichem Schicksal und den daraus resultierenden Entschlüssen, politisiert THE DARK KNIGHT bewusst sein Szenario, greift die Fäden des Vorgängers zwar auf, spinnt sie nun aber deutlich am aktuellen Weltgeschehen entlang: Es ist der Versuch, Terror und Paranoia einzufangen, ihre Mechanismen zu sezieren, der Nolan hierbei antreibt; mit Batman und seinen beiden Antagonisten fügt er eine weitere Konstante in die Systemstuktur seiner Welt  ein,  die - alle auf ihre Weise - geschickt zu deren Erosion beitragen.

Es sind per se keine unbedingt klassischen Motive, die jede der Figuren auszeichnet, und doch nimmt man sie durch ihre Omnipräsenz in den letzten Jahren als solche wahr: Ist Unrecht im Kampf für das Recht moralisch zu legitimieren?
Im Bezug auf die Titelfigur geht der Film deshalb auch nicht wesentlich weiter als  BATMAN BEGINS, ihre Hinterfragung ist nicht Entwicklung, sondern Teil des anfänglichen Konzepts, die Parallelen die Nolan zwischen einer Quasi-Institution wie dem maskierten Flattermann, und realen Geheimdiensten zieht wird nirgendwo deutlicher als im vorgezogenen Schiffsfinale, in dem die obige Fragestellung packend, aber auch eindimensional zur Parabel über den Patriot-Act ausbuchstabiert wird.

Entgegen landläufiger Meinung geht - unter Auslösung der Darstellerebene - auch von Ledgers Joker wenig wirkliche Faszination aus; die ihm immanente Metaphorik, als ikonisierter Pate eines ebenso barbarischen, wie auch in seiner Motivation eher schwer zu umreißenden Terrors funktionieren zu müssen, engt seine Charakterzeichnung stark ein; die  bewusste Positionierung gegenüber Batman als einander ebenso bedingende, wie auch abstoßende Variable, trägt zwar zur größeren Akzeptanz bei, als es bei Ra's al Ghul der Fall war, geht in ihrer Tiefenwirkung aber auch nicht weiter als Burtons Beziehungskonzeption fast zwanzig Jahre vorher.

Die devote Faszination gegenüber einem kostümierten Bombenleger, die Film und Regisseur dabei des Öfteren fahrlässig an den Tag legen, vergisst aber nahezu vollständig das Potential der Dent-Figur abzuschöpfen, oder auch nur auszuleuchten; ist dieser doch in Verkennung der Strahlkraft seiner Symbolik stets nur Randfigur - erst von Bruce Wayne, später vom Joker. Dabei wäre die Metamorphose seines Körpers und Gerechtigkeitssinns, die subtilste Art gewesen die Auswirkungen eines nur sich selbst unterstehenden Vigilantismus aufzuzeigen, ebenso wie seine neurotische Zerissenheit sich als Spiegel Waynes geeigent hätte.

Schlußendlich gelingt es Nolan, seine Interpretation des Batman-Stoffes weiterzuentwickeln, einen inhaltlichen und visuellen Einklang herzustellen, und so wirkt THE DARK KNIGHT trotz seiner vermehrten Zugeständnisse an actionaffines Blockbusterpublikum reifer und homogener, als BATMAN BEGINS. Sein aufgeblasener politischer Subtext bleibt dabei aber ebenso wie die rationale Welt und Nolans technizistischer Inszenierungsstil Geschmackssache.
7 / 10

15. Dezember 2010

Kritik: Batman Begins

„Legend, Mr. Wayne“ -

Es ist ein bemühter Auftakt, den Christopher Nolan den vor sich dahindarbenden Fans der Nachtkreatur aus dem Hause DC mit „Batman Begins“ nach fast zehn Jahren Abstinenz serviert:

Mit einer ebenso infantilen, wie doch notwendigen Trotzreaktion auf die grellen Camp-Spekatkel aus dem Hause Schumacher, eröffnet der dritte Regisseur innerhalb der Fledermaus-Reihe, seine Adaption des Comicstoffes: Sein Bruce Wayne muss noch während des Intros durch den Schlamm robben, und sich in unwirtlichen Gefängnissen am Ende der Welt herumprügeln.

Es ist ein schwieriges Unterfangen, in welches sich der fünfte Batman-Film dabei an manchen Stellen gerade zu manisch hineinsteigert: Er möchte als modernes und integratives Werk seiner Dekade gelten, peinlichst darum bemüht, jeglichen Bruch mit der Ernsthaftigkeit im Keim zu negieren, um sich als klare Antipode zu den konturlosen, aber selbstironischen Schumacher-Werken zu positionieren, und pendelt in der Frage, wie er dem burton‘schen  Erbe begegnen soll, trotzalledem ziellos umher: So  stark Nolans Faszination für die ausführlichen Charakterisierungen und die Figurenzeichnung in „Batman Returns“ sein mag, so sehr zeigt er sich von der verspielten Ästhetik in Burtons‘ Gotham City abgestoßen.

Sein Ansatz, grundlegenden Charakterfäden aufzugreifen, sie im Rahmen einer neuen Geschichte zu variieren, und in die eigene Inszenierung zu implementieren, ist nun ein ebenso ambitionierter, wie in letzter Konsequenz gescheiterter:

Jene Szenen, die in „Batman“ beiläufig eingeflochten wurden, werden zur Introduktion der Titelfigur ausgebaut, was in Hinblick auf die geplante Trilogie sicherlich notwendig ist, dem Film jedoch einen vergleichsweise zähen Einstieg beschert, den man nach über sechzig Minuten, nicht wirklich zu legitimieren weiß: Nolans Film erzählt viel, und doch wenig, er konstruiert einen banalen Kampf gegen die Schatten der Vergangenheit - erst in Form eines Kindheitstrauma, dann in der Konfrontation mit seinem „Erschaffer“ - als Motivation hinter der Kunstidentität der „Batman“-Figur, und außer dem immerwiederkehrenden Aufgreifen des Furcht-Motivs im weiteren Filmverlauf, weiß er erstaunlich wenig substantiell Neues zu berichten.

Natürlich ist es ein charmanter Script-Einfall, dass die Rahmenhandlung die gleichen moralischen Fragestellungen für den Makrokosmos aufwirft, die auch Bruce Wayne mit sich selbst ausficht, aber es ist nur eine mäßig clevere Vertuschung der Tatsache, dass sich die Handlung mit zunehmender Zeit dem ominösen Masterplan eines Schurken verschreibt, und sowohl narrativ, als auch in der Inszenierung, in ein elendig oft durchdekliniertes Bösewichter-ABC abrutscht. 

So sehr „Batman Begins“ in der ersten Hälfte seinen Finger nach bedeutsamer Größe ausstreckt, und sich sichtlich in all den pathetischen Gesten und theatralischen Dialogen gefällt, so sehr entlarvt er sich beim verzückten Zerlegen ganzer Stadtviertel gegen Ende selbst: Es ist mehr Schein als Sein; den Bruch mit den Konventionen des Actionkinos möchte Nolan zu keiner Zeit so konsequent vollziehen, wie es Burton in „Batman Returns“ tat.

Es sind die Geister, die er rief, die Christopher Nolan das Leben bisweilen schwer machen:
Wer Fantasie gegen Technik ausspielt, und behände versucht, einem klinisch reinen Perfektionismus zu huldigen, der wird sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob über Dächer hüpfende Panzerwagen und ein Yuppie im Flattermann-Anzug eigentlich überhaupt noch in ein so charakterisiertes Setting passen.
Insgeheim scheint man sich dieses Problems bewusst zu sein, umgeht man allzu überzeichnete, und deshalb inhomogene - Gegenspieler doch einfach damit, dass man sie in die pure Bedeutungslosigkeit degradiert: Scarecrow ist eine Randnotiz und Aufhänger einiger CGI-Sperenzchen, Ra's al Ghul als Antagonist viel zu abstrakt und unpräsent, um als Final-Part glaubwürdig zu funktionieren.

Natürlich wird auch „Batman Begins“ seiner Rolle als Nolan-Blockbuster insofern gerecht, als das sich alles Dargestellte auf technisch durchwegs hohem Niveau bewegt, und vorallem in den Nebenrollen durch ebenso bewährte, wie auch verschenkte Gesichter zu gefallen vermag.
Bales desinteressierte Wayne-Interpretation ist nach Keaton und Kilmer jedoch nahezu unverzeihlich; entwickelt sein Wandel vom komplett underactenden Milliardär in einen grunzenden Rächer doch eine seltsame Eigendynamik, die mitunter die Grenze zur unfreiwilligen Komik überschreitet.

Obwohl die Variablen andere sind, sind es doch die gleichen Punkte mit umgedrehten Vorzeichen, an denen nach Burtons Erstling, nun auch Nolans Startversuch scheitert: „Batman Begins“ fehlt der Wille zur allumfassenden Eigenständigkeit, er ist in seinen Ansätzen und Intentionen zwischen Tiefgang und Popcorn schlicht überladen und inkohärent - auch hier sollte sich der Nachfolger in seinem bedingungslosem Bekenntnis zum Sommerblockbuster, als der bessere Film erweisen.

5.5 / 10

14. Dezember 2010

Kritik: Batmans Rückkehr

„We‘re both preceived as monsters.“ -

Es ist garnicht so sehr die Oberfläche, an der sich festmachen lässt, dass Tim Burton sich in den drei Jahren, die seit der ersten Leinwand-Adaption des Batman-Stoffes vergangen sind, weiterentwickelt hat: Gotham City sieht marginal düsterer aus, und weist nach den „Metropolis“-Reminiszenzen des ersten Teils noch mehr Gemeinsamkeiten mit Scotts Visualisierung eines Molochs aus „Blade Runner“ auf, aber das erscheint nahezu als Makulatur, denn der wirkliche Fortschritt in der Produktion von „Batman Returns“ bestand darin, dass sich sein Erschöpfer nicht nur handwerklich, sondern auch unter wirtschaftlichen Aspekten weiterentwickelt hat: Gestärkt durch den vorangegangenen Erfolg mit „Edward Scissorhands“ war es dem Amerikaner erstmalig möglich, Warner Bedingungen zu stellen, und mit deren Diktat zu brechen - der Regisseur wollte komplette künstlerische Freiheit, und er bekam sie; mit der Konsequenz, dass die Rückkehr des Schwarzen Ritters nicht nur wie ein Burton-Film aussieht, sondern sich tatsächlich auch wie einer anfühlt:

„Batman Returns“ ist komplexer als sein Vorgänger, zu großen Teilen hat er sich weniger den Mechanismen einer Comic-Verfilmung verschrieben, als dass er den Versuch unternimmt, ein filmisches Psychogramm seiner exzentrischen Figuren zu entwerfen:

Fast eine ganze Stunde muss sich das Publikum gedulden, bis Batman seinen ersten längeren Auftritt bekommt; was sonst für ein, so auf seine Zugpferde versteiftes, Genre, wie jenes der Superheldenfilme als nahezu undenkbar erscheint, wird in „Batman Returns“ zu Realität, der man nicht widersprechen möchte: Die maskierte Fledermaus ist das zentrale Stück eines Puzzlewerks, auf das zwar alle anderen Komponenten zu jeder Zeit Bezug nehmen, dessen großer Auftritt tatsächlich allerdings erst im spektakulären Finale kommt.

Denn anders als im direkten Vorgänger verzichtet Burton diesmal auf eine allzu plastische Verbindung seiner Titelfigur und deren Antagonisten: Er widmet vielmehr jedem einzelnen Kontrahenten eine ausführliche Introduktion; deren Sinn sich dem Zuschauer erst nach und nach erschließt, und aus dem sich letztendlich die subtilen Parallenen zwischen Batman, Catwoman, der Pinguin-Figur und Max Shreck herauskristallisieren.

Burton genießt es, die Risse hinter der Fassade einer Gesellschaft freizulegen, und so ist es nur folgerichtig, wenn nahezu jede Figur in Gotham City eine zweite Identität innehat: Sie alle haben sich auf ihre Art mit ihrem Fetisch arrangiert; die Unterschiede zwischen einzelnen Charakteren liegen nur in ihrem Umgang mit den Bürden, die sie zu tragen haben: Catwoman fungiert hierbei als nahezu vollständige Antipode zu Batman; die Kanalisation ihrer Ängste und Triebe führt - anders als bei ihm - zum lasziven Ausleben des Destruktiven; während Shreck als ebenso erfolgreicher, wie auch krimineller Yuppie, als Spiegelbild von Bruce Wayne angelegt ist.

Einzig in der Pinguin-Figur (hervorragend: DeVito) findet sich ein zaghafter Widerhall des Wunsches nach einem  zwar leidlich ambivalenten, aber nichtsdestotrotz klar umrissenen Gegenspieler, dessen Verdrängung der Realität nicht wie bei den anderen Figuren psychisch, sondern formvollendet physisch - in Form einer Behausung in den Kanalschächten - stattfindet.

Wenn der Film in ausgewählten Schlüsselszenen Keaton in den Dialog mit Pfeiffer treten lässt, und sie sich bei Spaziergang und Kaminfeuer über die Schlagzeilen ihrer jeweiligen alten Ego austauschen, dann lässt es Burton offen, welche Schlüsse man daraus ziehen kann: Sind die die Capes Fluch oder Segen, zu welchem Zeitpunkt beginnt die Maskerade überhaupt; sind all die nächtlichen Streifzüge egomanische Realitätsverweigerung, oder doch notweniger Umgang mit ihr?

Es sind diese Sequenzen, in denen „Batman Returns“ die Grenzen seines Genres auslotet, und - von vereinzelten Ausnahmen abgesehen - bis heute ungeschlagen in seiner philosophischen Komponente ist.

Fast mutet es größenwahnsinnig an, wenn sich Tim Burton zwischen der breiten Charakterisierung seiner Protagonisten und den - im Vergleich zum Vorgänger noch spärlicher auftauchenden, dafür aber um ein vielfaches dynamischeren - Actionmomenten, auch noch eine verschmitzte Satire über die Mechanismen von Politik und die Macht der Manipulation aufhalst - aber er meistert auch dieses Anliegen problemlos; und es gibt letztendlich keinen größeren Beweis für das Genius des Regisseurs, als das er all jene ersonnenen Einzelstücke zu einem homogenen Ganzen zu formen vermag.

Es scheint eine ironische Randnotiz der Popkultur zu sein, dass den Pinguinbomben aus „Batman Returns“, ein nahezu direktes Zitat in der Verfilmung von Millars „Wanted“-Cartoon widerfahren ist; hält sich doch hartnäckig das Gerücht, dass Burton vor Drehbeginn des ersten Fledermaus-Films, noch nie ein Comic in der Hand hatte.
Und schlussendlich liegt hierin vielleicht auch die Antwort auf die leidige Frage, ob die ersten beiden Verfilmungen des DC-Comics nun mehr Batman- oder doch eher Burton-Filme seien: Es ist Burtons Batman.

9 / 10 
erschienen bei: mehrfilm

Kritik: Batman

„I‘m Batman“ -

Wenn Michael Keaton sich mit jenen Worten nicht nur seinen Antagonisten, sondern auch dem Kinopublikum erstmalig vorstellt, ist man geneigt, seiner Präsenz zu vertrauen, und dies auch nach Abschluss der Ouvertüre zum wohl bekanntesten Superhelden-Franchise bis dato, zu bejahen.

Dabei macht es einem die Verfilmung des DC-Comics nicht immer einfach, diesen Eindruck zu verteidigen, denn in erster Linie ist „Batman“ ein Film der Kompromisse, gewissermaßen ein Produkt von Warner und Burton - und darunter leidet er bisweilen stark.

„Batman“ trägt den markanten, aber doch zaghaften Stil des Ausnahmeregisseurs, seine Ästhetik umrahmt die Geschichte des Dunklen Ritters allgegenwärtig; aber er ist durchsetzt mit Zugeständnissen an die Interessen eines Blockbusters, mit denen Burton zum damaligen Zeitpunkt nach der Querelen um „Beetlejuice“ bereits zum zweiten Mal konfrontiert wurde, und bei denen er augenscheinlich noch nicht in der Lage war, sich von den Studios im Hintergrund zu emanzipieren.

Von jeher lag die Stärke des Amerikaners darin, Sympathien gegenüber per se unnahbaren und undurchsichtigen Figuren zu generieren und zu inszenieren, und mit Michael Keaton hat er einen starken Verbündeten für seine Seite gefunden: Die besten Momente hat „Batman“ dann, wenn er sich nicht in seine Actionsequenzen flüchtet, sondern wenn er sich mit den Figuren beschäftigt; wenn er seine Hauptfigur nicht heroisiert, sondern sie als erstaunlich verletzlich und menschlich zeichnet, wenn er Bruce Wayne als tapsig-liebenswürdigen Sonderling beschreibt, nur um ihn wenig später doch wieder als reflektierten, aber rachsüchtigen Batman zu positionieren.

Etwas konträr dazu stehen die kurzen, und durchaus nicht gänzlich uncharmanten Passagen der gewalttätigen Konfrontation mit seinen Gegenspielern, in denen eben jene Konzeption, die den Film über weite Strecken so souverän trägt, zu bröckeln beginnt: Den Auftritten des schwarzen Vigilanten ist eine gewollte Unsicherheit anheim, der Hauch des Unperfekten, der sich letztendlich als logische Konsequenz der Charakterisierung offenbart, nichtsdestotrotz aber auch nicht einer gewissen unpassenden Komik entbehrt.

Fast möchte man meinen, der Fledermausmann fühlt sich in diesen wörtlich zu nehmenden Nebenkriegsschauplätzen genauso unwohl wie der Mann auf dem Regiestuhl, denn tatsächlich basiert das härteste Duell im Finale weniger auf fliegenden Fäusten, als vielmehr in der Konfrontation, zweier sich bedingender und selbstgerechter Egomanen (ebenso stark: Nicholson), deren sich duellierende Auren und die damit einhergehenden knappen aber starken Wortgefechte, um ein Vielfaches beeindruckender ausfallen, als der vorangegangene Flug mit dem Batwing.

„Batman“ ist letztendlich (zu) oft ein inhomogener Film, weniger in Hinblick auf seine Cartoon-Herkunft, von der sich Burton bereits in der Grundkonstruktion löst, sondern als für sich geschlossene Einheit - ihm fehlt die Ruhe und Gelassenheit; der entgültige Wille, nicht den Konventionen des Popcorn-Kinos zu erliegen, und jeden Tiefgang doch auch mit Action nachwürzen zu müssen.
Der Tenor eines dunklen Märchens steht dem Film zu jeder Zeit besser, als seine BallaBalla-Allüren.

Damit liegt er dank des unbestrittenen Talents von Cast und Regisseur immernoch über dem Durchschnitt, verschenkt aber trotzdem allerhand Potential, und findet seine Rolle in der Kinogeschichte eher als langes Vorspiel zum reiferen und eigenständigeren „Batman Returns“.
Übrig bleibt ein Film, den man angesichts der Entwicklungen des Franchise‘ eher verehren will, als verehren kann.
7 / 10 
erschienen bei: mehrfilm 

12. Dezember 2010

Kritik: Batman Forever

„Too many questions. There‘s too many questions“ -

Knapp vier Jahre dauerte es, bis sich das Batman-Franchise einen weiteren Aufguss seiner selbst gönnte, und nach dem Wechsel Burtons in die Produzentenrolle bisweilen mit Joel Schumacher Vorlieb nehmen musste.

Man muss es „Batman Forever“ und seinen Hauptverantwortlichen dabei anrechnen, dass sie die Notwendigkeit erkannt haben, nicht einem neuen Regisseur das alte System aufstülpen zu wollen, sondern ihm eigene Akzente zu ermöglichen.
In der Theorie ist der Weg den Schumacher mit seinem ersten Reboot der Reihe zu beschreiten versuchte, dabei durchaus konsequent: Sich am Look der alten Zeichentrickserie zu orientieren, ist ein Ansatz, den man ebenso respektieren sollte, wie die burtonesken Gothic-Reminiszenzen.

Schumachers Probleme ergeben sich im Detail: Sein Wille mit den Konventionen der Reihe zu brechen, sie zu cartoonisieren, sind spürbar, aber es ist letztendlich ein Kratzen an der Oberfläche, ein wirres Beleuchten von Ecken, die vorher düster waren - Schumacher beschränkt seine Radikalkur auf Äußerlichkeiten, ohne sich folgerichtig auch vom Anspruch auf Tiefgang, den die Vorgänger zu generieren wussten, zu verabschieden:
Bruce Waynes reflektiertes Vorgehen, seine Schuldkomplexe als Sohn und (Ersatz-)Vater von Robin, sein immerwährender Identitätskonflikt, - all das verträgt sich nicht mit der überzeichneten Neonwelt, in der es von statten geht.
In jenen Momenten hantiert Schumacher mit Dingen, die seinen inszenatorischen Horizont  zu übersteigen drohen; in seinem Ergebnis äußerst inhomogen, implementiert er ganze Plotsequenzen aus „Batman Returns“, um exemplarisch die Beziehungsprobleme des Fledermausmanns zu bebildern.

Wie eine geschmacklose Karikatur steht diesen Passagen das exaltiert-debile Treiben der beiden Antagonisten gegenüber, bei dem „Batman Forever“ jegliche Charakterisierung auf ein eingedampftes Destillat beschränkt, und sich stattdessen an glitzernden Kostümen und bunten Lampen erfreut: Der Riddler handelt aus gekränkter Eitelkeit; Two-Face‘ Ambivalenzen werden darauf heruntergebrochen, zeitgleich zwei hässliche Anzüge aufzutragen.
Die Verbindungen der Persönlichkeiten zur Batman-Figur, die Spiegelung der Charakterbrüche, die sie miteinander teilen, blendet Schumacher großräumig aus.
Das erscheint wenig verzeihlich, bewies Burton doch im Vorgänger, wie geschickt man duale Persönlichkeiten inszenieren und in das optische Konzept integrieren kann.

Dass sich Jones zu guter Letzt auch noch auf das Niveau von Carrey, der für sein nonexistentes Talent ja keinen Beweis mehr zu erbringen braucht, heruntergrimassiert, und seiner Figur so die letzte Würde raubt, nimmt „Batman Forever“ einen nicht unerheblichen Teil der Faszination von Cartoon-Verfilmungen: Ebenbürtige Gegner.
Val Kilmer und Nicole Kidman treten in große Fußabdrücke, füllen sie insgesamt zwar wesentlich besser aus, als ihre Gangster-Kontrahenten, können nichtsdestotrotz viel zu selten den Eindruck wegwischen, sie seinen nur die Zweitbesetzung von bereits ausformulierten Figuren.

Somit versagt „Batman Forever“ auf nahezu ganzer Linie, und verliert sogar im Vergleich mit dem direkten Nachfolger deutlich, da dieser jene Konsequenz, die Schumacher vorliegend so schmerzhaft vermissen lässt, besitzt, und als knallbunte Satire auf das Wesen des Superhelden-Mythos nahezu einwandfrei funktioniert.

3 / 10

erschienen bei: mehrfilm

5. Dezember 2010

Kritik: Batman & Robin

„Jetzt weiß ich, warum Superman immer alleine unterwegs ist“ -

Auch nach über 13 Jahren und zwei weiteren Neuauflagen bleibt „Batman & Robin“ wohl der unumstritten umstrittenste Teil des DC-Franchises: Dass erscheint einerseits zwar verständlich, schafft es der vierte Aufguss der Fledermaus-Saga doch in keinem einzigen Moment, sich über dem Mittelmaß zu positionieren, auf der anderen Seite schwebt stets der Schatten der Vorgänger über solchen Produktionen, an denen schon mehrere Filme zerbrochen sind: Denn in der Tat scheitert auch Schumacher abermals weniger an handwerklichen Unzulänglichkeiten, als vielmehr an der Erwartungshaltung seiner Rezipienten hinsichtlich der Weiterführung des durch Burton diktierten Kosmos, sowie der Tatsache, seine Herangehensweise an den Batman-Mythos konsequent genug zu artikulieren:

„Batman & Robin“ findet sein Potential nicht, wenn man ihn im Kontext der burton‘schen Vorgängerwerken, oder Nolans Epigonen betrachtet, aber es gibt durchaus Momente, in der sich der Film durch eine satirische Lesart in eine bonbonfarbene Lightversion von Moores „Watchmen“ verwandelt: Wenn Schumacher seine Kontrahenten vor bombastischer Museumskulisse gegeneinander Eishockey spielen lässt, während sie sich mit grotesken Onelinern bombadieren, oder den Masken- und Latexfetish seiner Figuren durch Bodybuilder-Suits und Closeups der Heldenhintern einfängt, dann ist das eine zugegebenermaßen plumpe, aber vorausschauende und treffende Überspitzung auf die over-the-top-Attitüde und den latent (homo-)sexuellen Subtext anderer Comicverfilmungen.

Auch in der Inszenierung beschreitet Joel Schumacher andere Wege, als die sonst mit dem Stoff betrauten Regisseure: Schon in der, mit schmieriger Dudelmusik unterlegten Einführung von Alfreds Nichte, wird klar, dass der Regisseur die großen Gesten liebt; etwas was in der Charakterisierung seiner Gegenspieler ihren Klimax findet: „Batman & Robin“ ergeht sich nicht in der fatalistischen Vergangenheitsdeutung seiner Schurken, er bringt ihnen keine Verehrung entgegen, vielmehr sieht er in ihrer Manie nichts melancholisches oder nachvollziehbares - er überspitzt und stilisiert sie zu grün und blau leuchtenden Knallchargen, die eher aus Effektgier, denn aus narrativer Verankerung handeln.
Das darin enthaltene parodistische Potential - darüber muss man nicht streiten - mag dem Batman-Franchise nicht gerecht werden, trifft aber auch in diesen Fall einen wunden Punkt vieler anderer Vigilanten-Exkurse auf der Leinwand.

Überhaupt wäre „Batman & Robin“ besser, wenn er jene Konsequenz der obigen Szenerien zu jeder Zeit durchgehalten hätte: Aber insbesonders die leisen Töne in den Sequenzen mit Alfred passen nicht in die Gesamtkonzeption, und fallen durch ihre - zum sonstigen Neonlook konträre - Seriosität, peinlich auf. Hier patzt der sonst weitestgehend solide Handerwerker auf dem Registuhl.

Übrig bleibt somit eine etwas unrunde, aber doch nicht gänzlich uncharmante Trash-Satire, an der sich manch einer stoßen, aber auch manch einer ordentlich unterhalten wird. Unterbewertet! 

5 / 10