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1. Januar 2012

Shorties: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes II


Als (nun wirklich finaler) Schlusspunkt einer Reihe mit dem Vorteil versehen, per definitionem einige manipulative Rührseligkeiten auf sich vereinen zu dürfen, bleibt auch der nunmehr achte Film um den kleinen Magier und seine Staffage vor allem ein Potpourri aus Behauptungen: Allem pathetischen Gestus zum Trotz, zum Kern der Figuren ist Yates - obwohl er unter thematischen und zeitlichen Gesichtspunkten die besten Vorraussetzungen dazu gehabt hätte - nie vorgedrungen. Ihr Leiden, Leben, Sterben, ja der ganze Weltenverfall als solches verläuft nach dem selben aseptisch-kühlen Plan, wie der gar furchtbare Vorgänger - Schloss kaputt, von echten Emotionen weiterhin keine Spur.
Durfte man vom Briten auf dem Regiestuhl, abgesehen von den ewig gleichen "Huch, wie gewagt-düster"-Filtern, in Sachen künstlerischem Wagnis ja sowieso keine Quantensprünge mehr erwarten: Wenigstens in Sachen Abschiedsmomente hätte er mal bei Peter Jackson nachschlagen können...
Nun ist es also vorbei, endgültig. Naja.  

4 / 10

17. November 2010

Kritik: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil I


Gute und schlechte Zeiten im Blair-Witch-Forest -

Viel wurde gemunkelt über den Abschluss der Potter-Reihe: Warner Bros. manövrierte zwischen zweiter und dritter Ebene hin und her, und über allem schwebte doch immer die Frage danach, unter welchen Gesichtspunkten eine Splittung des Finales auf zwei Filme wirklich notwendig sei: Natürlich ist es nahezu grotesk, ein Franchise, wie jenes um die Rowling-Romane, mit dem Vorwurf der Kommerzialisierung zu konfrontieren; beinahe ebenso grotesk ist es angesichts von "Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I" allerdings, dass David Yates in Pressekonferenzen behauptet, er müsste zwei Überlängefilme in Anspruch nehmen, um seinen narrativen Spannungsbogen ausformulieren zu können.
Denn der größte Vorwurf, dem man dem ersten Teil des Final-Romanes machen kann, soviel sei schon vorangestellt, ist die Tatsache, dass es der erste Potter-Film ist, der massiv mit Spannungsarmut und Langeweile zu kämpfen hat, und den pawlowschen Blick in Richtung Uhr mehr als einmal evoziert.

Als Yates die Regie für die letzten vier Teile der Saga übernahm, brach er mit einigen Konventionen, die seine wechselnden Vorgänger auf dem Regiestuhl aufgestellt haben, sorgte gleichzeitig aber auch für eine gewisse Stringenz zwischen den einzelnen Teilen, und hatte so die Möglichkeit, das etwas zerfahrene Zauberuniversum auszuformulieren und weiterzubilden - angesichts der zunehmenden Komplexität des Ursprungsstoffes auch eine notwendige und begrüßenswerte Entscheidung.
Mit dem ersten Teil der "Deathly Hallows" bricht der Regisseur nun abermals mit den Konventionen der Reihe, diesmal aber auch mit der obigen Stringenz innerhalb seines eigenen Schaffens: Vorbei die Zeit der großen Gesten und der Faszination für die Zauberwelt - "Part I" tritt auf der Stelle und zwar gehörig, und fokusiert sich ausgerechnet auf die Schwachpunkte, die sich wie eine rote Linie durch die gesamte Potter-Reihe ziehen.

Keiner der vielen Regisseure, die sich an dem Mythos "Harry Potter" versuchten, hat wirklich Wert auf die Charakterzeichnung gelegt, am allerwenigsten Yates, der dazu die meiste Zeit gehabt hätte: Besonders die Charaktere von Grint und Watson verkamen zu bloßen Stichwortgebern, die man eher beiläufig und lieblos mit einem Coming-of-age-Schmonzetten-Background versehen hat. Selbst Daniel Radcliffe als Titelheld, blieb spätestens seit "Prisoner of Azkaban" im status quo verhaftet, und im Großen und Ganzen darauf beschränkt, weinerlich oder blöde grinsend in die Kamera zu schauen.

All diese Kritikpunkte sind alt, wurden in den Vorgängern aber weitestgehend durch flotte Inszenierung und den hochkarätigen Nebencast kompensiert - und in der Tat, seine besten Momente hat auch "Deathly Hallows" dann, wenn Fiennes, Bonham Carter und Rickman ihre etwas einfallslosen Auftritte absolvieren, und schmerzhaft aufzeigen, wieviel ein Schauspieler mit Präsenz auch aus einer mickrigen Screentime herausholen kann.

Die meiste Zeit aber, und das ist im Hinblick auf die oben genannte Kritik stellenweise wirklich ärgerlich, zentriert sich das Geschehen auf das Freunde-Trio und ihren Campingtrip in Richtung Weltrettung. An diesen Stellen wären Charaktere und nicht zuletzt Charakterschauspieler von Nöten, um nicht in die Belanglosigkeit abzurutschen - und genau daran hakt es: Sowohl die inszenatorische Aufbereitung der Konflikte innerhalb der Clique, als auch ihre Darstellung durch den Cast bewegen sich auf dem Niveau einer mittelmäßigen Telenovela; eine Bindung an die einzelnen Figuren und ihr Schicksal wird vorausgesetzt, aber eigentlich nie wirklich begründet.

Überhaupt beansprucht der Film jenen good-will, den man schon den Vorgängern entgegenbringen musste, über Gebühr, denn wirklich rund ist er zu keiner Zeit: Die oftmals in anderen Kritiken heraufbeschworene Düsternis ist selten wirklich greifbar, an vielen Stellen fehlt einfach der homogene Tonfall, um sie glaubhaft zu machen: Jene Verzweiflung, die omnipräsent sein soll, opfert Yates wie auch schon im Vorgänger kleineren und größeren Beziehungskisten und infantilen Späßchen. Das Motto des Zusammenhalts in allen Ehren, aber wenn selbst die Beerdigung des Hauselfs zur kitschigen Postkarte verkommt, und der halbtote Weasley auf dem Sofa noch einen lockeren Spruch reißen darf, dann muss man sich den Vorwurf gefallen lassen, zu zielgruppengerecht zu insznenieren.

Ab und an, und leider viel zu selten, blitzt dann tatsächlich so etwas wie Kreativität auf, und die Idee, die Deathly Hallows-Sage als Comicstrip zu inszenieren ist ein netter Einfall, war angesichts der - mit  platten Staatsfaschismus-Metaphern zugekleisterten - Szenerie im Ministerium und dem schamlosen Paraphrasieren von Jacksons "Lord of the rings" aber auch bitter nötig, um überhaupt noch einen Platz im (unteren) Mittelfeld zu ergattern.

Kurzum: "Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I" erzählt wenig, braucht dafür aber unendliche Zeit, und wäre - sollte der zweite Teil das Ruder nicht gehörig rumreißen - ein unwürdiger Abschluss für die Serie.

4.5 / 10

12. November 2010

Kritik: Harry Potter VI - Der Halbblutprinz


In gewisser Weise muss man die letzten beiden Adaptionen des Potter-Universums von David Yates so behandeln, wie die vorangegangenen Filme der Reihe auch: Die Reduzierung und Trivialisierung des ohnehin nicht allzu komplexen Ursprungsstoffes raubt dem gesamten Faszinosum um die Zauberwelt Einiges von ihrem Charme - dessen sollte man sich von Anfang an bewusst sein, um nicht über die eigene Erwartungshaltung zu stolpern.

"Harry Potter and the Half Blood Prince" macht dabei keine Ausnahme von der Regel; die zunehmenden Verknüpfungen und die damit einhergehende Düsternis der Geschichte sind Fluch und Segen des Films zugleich: Man ist dabei oftmals geneigt, dem Plot nicht mehr mit dem verniedlichenden Stempel des Kinderfilms abzufertigen, und ihm sogar ein gewisses Interesse entgegenzubringen, zumal Bonham-Carter und der Malfoy-Clan wenige, aber dafür ziemlich imposante anzusehende Auftritte absolvieren.
Die Probleme, die sich dabei ergeben, liegen jedoch auf der Hand: Wer die Vorgängerfilme, bzw. die Bücher nicht, oder nur auszugsweise kennt, der wird sich in dem Wirrwarr aus Figuren, Symbolen und Storyelementen nur schwerlich zurecht finden, zumal durch die Subtraktion mancher Passagen aus dem zugrundeliegenden Ursprungsstoff selbst von treuen Lesern einiges an Aufmerksamkeit abverlangt wird.

Man kann jenes als typischen Malus von Romanadaptionen, zumal von den mittleren Teilen einer Reihe, abtun, aber es bleibt doch der fade Beigeschmack, dass man anstelle der ausufernden Teenie-Belanglosigkeiten im Mittelteil doch etwas mehr wirklichen Content hätte liefern können.

Überhaupt muss man sich mit Yates´ Stil anfreunden können, denn ein Meister der Subtilität war der Brite noch nie: Da wird kräftig mit den Sepia- und Blau-Filtern gespielt, um die apokalyptische Grundstimmung zu unterstreichen, und der etwas beschränkte Ron darf als Vollhonk auf Abruf schonmal rückwärts von der Couch purzeln.

Man kann sich an dieser Art der Inszenierung stoßen, zumal sie den Charakteren eigentlich keine weitere psychologische Ebene hinzufügt, sondern sie im status quo der Vorgängerfilme verharren lässt - man kann aber auch einfach darüber hinwegsehen, denn auch wenn man es sich als der Adoleszenz entglittener Betrachter nicht immer eingestehen will: Sympathisch sind die Figuren dann doch alle irgendwie (interessanterweise jedoch vorallem das Professoren-Kollegium, und nicht so sehr das Haupt-Trio), und schlussendlich möchte man dann doch irgendwie wissen, wie es weiter geht.

Mit viel gutem Willen ringe ich mir deshalb auch das Prädikat "Sehenswert" ab, auch wenn sich das sechste Abenteuer des Zauberlehrlings mehr als einmal einen Ausrutscher nach unten leistet.

7  / 10